Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die zu Anfang des Jahres verschiedentlich erwartete Geschäftsbelebung auf den Weltwarenmärkten ist bisher nicht nur ausgeblieben, sondern es hat im Gegenteil eine weitere Beruhigung der Geschäftstätigkeit, verbunden mit einer allgemein rückläufigen Preistendenz, stattgefunden. Aus der Tatsache, daß sich die Nachfrageseite nur auf die Deckung des dringend notwendigen laufenden Bedarfs erstreckt, kann geschlossen werden, daß sie mit einem weiteren Sinken der Preise rechnet. Hinzukommt, daß die Käuferseite keine Veranlassung sieht, Lagerbestände anzulegen, zumal sie in Anbetracht der verhältnismäßig großen Vorräte in den Erzeugerländern jederzeit in der Lage ist, die erforderlichen Warenmengen zu kaufen. Diese Vorräte stellen somit einen Faktor dar, der dem Weltmarkt eine gewisse Trägheit verleiht. Konjunkturell macht sich die rückläufige Weltmarktpreistendenz in den USA und Kanada über sinkende Farmereinkommen in zunehmendem Umfang bemerkbar. Hinzukommt, daß verringerte Ernteerträge, vor allen Dingen in Kanada, zu einer weiteren Schrumpfung der Farmereinkommen beitragen, so daß die Farmer sich gezwungen sehen, ihre Konsumgüter- und Produktionsmittelkäufe zu reduzieren.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 10. bis 14. Januar vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 4 die Tendenz leicht gestiegen bzw. gestiegen und bei 15 leicht schwächer bzw. schwächer. Die Preise von 4 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer, Blei und Zink, waren konstant.

Getreide: An den amerikanischen Getreidebörsen trat überwiegend eine leichte Abschwächung ein. Eine Ausnahme hiervon machte lediglich Roggen, der sowohl in Chikago als auch am New Yorker Locomarkt anzog. Im allgemeinen stand der Getreidemarkt während der Berichtswoche unter dem Einfluß von Wettermeldungen in einigen Teilen der US-Anbaugebiete. Der Weizenmarkt erhielt eine gewisse Stütze vor allem durch Exportabschlüsse und Exportnachfrage. In der Zeit vom 1. August bis zum 5. Januar haben die vier IWA-Exportländer von ihrer 1945/55er Quote 5,156 Mill. t oder 48,2 v. H. verkauft gegenüber 3.297 Mill. t in der Vergleichszeit des Vorjahres. Westdeutschland hatte bis zu diesem Datum 57 v. H. gegenüber 25 v. H. im Vorjahre abgenommen.

Kupfer: Am Londoner Kupfermarkt war die Preisentwicklung während der Berichtswoche erneut von sehr starken Ausschlägen gekennzeichnet. Am 10. Januar stieg die Londoner Kassanotierung auf 307 £. Zu dieser festen Tendenz trugen mehrere Faktoren bei, wie die gute Nachfrage der britischen Verbraucher sowie der Bundesrepublik und der Streik in dem nordrhodesischen Kupfergebiet, Anschließend trat ein ziemlich kräftiger Preisrückgang ein, der einmal durch Nachrichten über die Beruhigung der Streiklage In Nordrhodesien und zum anderen durch ein größeres Angebot ausgelöst wurde. Der wesentlichste Faktor für den Preisrückgang dürfte jedoch die Ankündigung der chilenischen Regierung gewesen sein, daß Kupfer von den USA nach London umgeleitet werden soll, da die Londoner Notierungen wesentlich über denjenigen in den USA liegen. Mit diesen plötzlichen und relativ starken Preisschwankungen an der Londoner Kupferbörse und mit der Tatsache, daß der New Yorker Markt, auf dem die größten Kupferproduzenten anbieten, stabil ist, hängen die Verhandlungen zusammen, die führende Commonwealth-Produzenten über die Möglichkeit einer Stabilisierung der britischen Preise führen. Die Preise der Londoner Metallbörse haben allgemein für den europäischen Kontinent Gültigkeit, und sie bilden die Grundlage der Kontrakte zwischen den Commonwealth-Produzenten und den Verbrauchern. Diese Preise liegen gegenwärtig etwa 40 bis 50 £ je Tonne höher als die US-Preise. Diese Disparität zwischen den beiden Märkten ist darauf zurückzuführen, daß die US-Produzenten sich bemühen, den Preis stabil zu halten.

Blei und Zink: In New York bestand eine recht gute Nachfrage der Verarbeiter nach diesen beiden Metallen, Vor allem bei Zink scheint die Versorgung mit spezial hochgradiger Ware relativ knapp zu sein. Die Verbraucher neigen außerdem dazu, längerfristige Engagements einzugehen. In London waren die Bleinotierungen leicht rückläufig, in Erwartung einer angemessenen Versorgung in der nächsten Zeit verschwand die Backwardation. Auch Zink schwächte sich gegen Wochenende ab, da offensichtlich die Nachfrage der Verarbeiter nachgelassen hatte und der Markt zum Teil unter dem Einfluß der Entwicklung von Kupfer lag.