Bündnis Türkei – Irak

Der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Adnan Menderes in Bagdad hat zu einem Übereinkommen geführt, wonach die Türkei und der Irak „unverzüglich“ einen Beistandspakt abschließen wollen. In einem von den Ministerpräsidenten unterzeichneten Abschlußkommunique heißt es, die Regierungen beider Länder seien der Ansicht, daß der Abschluß eines solchen Paktes „die Stabilität und Sicherheit des Mittleren Ostens garantiert, die Ordnung stärkt und irgendwelche aggressiven Absichten verhindert. Aus diesem Grunde halten es die beiden Regierungen für notwendig und nützlich, wenn andere Staaten, die den gleichen Zielen zustreben, dieses Gebiet entsprechend ihrer geographischen Lage oder ihrer Fähigkeit verteidigen“.

Der Hinweis auf die „geographische Lage“ bedeutet nach Ansicht gut informierter politischer Beobachter den Ausschluß Israels von einer Parteinahme. Während der Verhandlungen hat der irakische Ministerpräsident Nuri es-Said darauf bestanden, daß in dem Übereinkommen der Ausschluß Israels zum Ausdruck kommen müsse, was dann in verschleierter Form geschah.

Ministerpräsident Menderes begab sich von Bagdad zwecks Verhandlungen über die Erweiterung des türkisch-irakischen Beistandspaktes nach Damaskus zu einem nur wenige Stunden dauernden Besuch der syrischen Regierung: In der syrischen Hauptstadt und in Aleppo kam es zu Straßendemonstrationen gegen Menderes.

Noch am gleichen Tage flog der türkische Ministerpräsident auf Grund einer Einladung der libanesischen Regierung zu einem dreitätigen Staatsbesuch nach Beirut. – Ende Januar will sich Menderes nach Rom begeben, um Italien zum Beitritt zu dem Balkanpakt zwischen der Türkei, Jugoslawien und Griechenland einzuladen, nachdem einer militärischen Zusammenarbeit zwischen Jugoslawien und Italien nach der Erledigung des S:reites um Triest nichts mehr im Wege steht.

Die Türkei hat sich durch ihre geschickte Paktpolitik eine Schlüsselstellung innerhalb der westlichen Verteidigung gesichert. Als NATO-Mitglied ist sie direkt mit dem Westen verbunden. Durch den Balkanpakt hält sie die Verbindung zu Jugoslawien und nach dem Beitritt Italiens zur Westeuropäischen Verteidigungsunion aufrecht, während der türkisch-pakistanische Vertrag die Verbindung mit dem indischen Subkontinent sichert. Durch den beschlossenen türkisch-irakischen Pakt wird nunmehr eine Brücke zu der arabischen Welt geschlagen.

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Ergebnisses des Besuches von Menderes in Bagdad hat die ägyptische Regierung die Ministerpräsidenten aller Staaten der Arabischen Liga zu einer Sondersitzung in Kairo am 22. Januar eingeladen, um den Beschluß des Iraks zu erörtern, umgehend ein Verteidigungsbündnis mit der Türkei abzuschließen, Die ägyptische Regierung, die diesen Beschluß als einen „schweren Schlag gegen die arabische Einheit“ bezeichnete, will mit der Einberufung der Kairokonferenz nach Möglichkeit verhindern, daß andere Mitgliedstaaten der Arabischen Liga dem türkisch-irakischen Pakt beitreten.