w. w., Hannover

Vor einigen Wochen besichtigten die Mitglieder des Sozialausschusses im Niedersächsischen. Landtag das Annastift in Hannover-Kirchrode. Der Vorsteher, Pastor Dicke und die leitenden Ärzte gaben den Parlamentariern die Gelegenheit, sich auch die angegliederte Volksschule für behinderte Kinder anzusehen. Gegenwärtig werden dort etwa 70 Kinder von drei Lehrkräften versorgt. Das Annastift braucht für gelähmte Kinder einige alte Schreibmaschinen, mit deren Verwendung gute Erfolge erzielt werden könnten.

Eine besondere Aufgabe erwächst den Lehrkräften dadurch, daß sie auch eine „Bettenschule“ betreuen müssen. Alle bettlägerigen, aber schulpflichtigen Kinder bekommen während des Aufenthalts im Annastift Einzelunterricht am Bett, damit die Kinder trotz ihrer Krankheit das Klassenziel ihrer Heimatschule erreichen können.

Der niedersächsische Kultusminister würde gut daran tun, so wird bei der Opposition betont, wenn er aus den Mitteln seines 393-Millionen-DM-Haushalts solche Einrichtungen etwas mehr fördere, anstatt den dogmatischen sozialistischen Zielen der Lehr- und Lernmittelfreiheit, die offenbar gleichzeitig als Wahlschlager der Regierungskoalition jetzt teilweise in Kraft gesetzt werden solle, nachzugehen.

Abgesehen von den schulpflichtigen Patienten bildet das Annastift gegenwärtig 110 körperbehinderte Jugendliche aus, die nach Beendigung der Lehrzeit ihre Gesellenprüfung ablegen sollen. Wie die Landtagsabgeordnete Reinhardt (DP/CDU) erklärte, sei sie sehr erstaunt, daß die unzulänglichen Einrichtungen in den Schulräumen trotz einer Monate vorher gegebenen Zusage des Sozialministeriums noch nicht verbessert worden seien.