Gedicht in Prosa

Von Ernst Wilhelm Eschmann

In mir ist jemand, der will alles ringsum unterwerfen. Mit langen, dünnen, tief einpressenden Tauen geht er auf den Fang aus; der Vogel flattert auf und das Tier, das sich zum Gespräch näherte, läuft in den Wald zurück.

Allem will er seine Herrschaft auferlegen, daß die Dinge sich nicht mehr bewegen und untereinander reden, sondern an den von ihm gebannten Plätzen bleiben und nur das sagen, was er bestimmt.

Unablässig kämpfe ich nie ihm und hebe immer wieder die stählernen Netze hoch, die er über die Landschaft wirft. Ebenso suche ich ähnliche Wesen zurückzuschlagen, die ich aus meinesgleichen heraustreten und sich mit ihm zusammenrotten sehe. Dafür, daß ich ihre Freiheit verteidige, belohnen mich die Dinge. Sie senden Licht und reine Nahrung dem Kind im verborgensten Geschoß meines Hauses, das jener Störrische gefangen hält.

Aber manchmal wird es unentschieden, wer eigentlich der Meister ist. Wenn das Kind lächelt, sinken die Wände seines Kerkers und der mürrische Wächter küßt ihm die Hand. Tanzend springt er umher, nicht wissend, was er zuerst besorgen soll, um seinen Eifer zu beweisen.

Dann wieder schließt sich alles und der düster Bemühte wirft von neuem seine viel zu engen Netze aus. Immer wieder hole ich ihn zurück. Aber wegzuschicken wage ich ihn nicht. Denn man hat mich gelehrt, daß ohne ihn das Haus nicht bestehen könne.