Aus Bonn, genauer aus dem Bundesfinanzministerium, kommen Nachrichten, die besagen, daß die Gläubiger der fundierten Reichsschulden – ihnen ist im Rahmen des immer noch in der Gesetzesretorte befindlichen „Kriegsfolgenschlußgesetzes“ seit Jahr und Tag eine Honorierung ihrer Ansprüche gegen den Bund versprochen worden – nicht mit einer höheren Umstellungsquote als 5 bis 6 v. H. zu rechnen hätten. Begründung: für einen höheren Satz sei nicht genug Geld in der Bundeskasse, und im übrigen sei den Gläubigern von Bank- und Sparkasseneinlagen nach dem Umstellungsgesetz auch nur eine Quote von 1006,5 zugestanden worden.

Gegen dieses Ansinnen – denn das ist es – sind nun wohl doch, nicht zuletzt im Interesse des Bundes selbst, stärkste Bedenken zu erheben. Abgesehen davon, daß die Währungsgesetzgebung für die Gläubiger von Bank- und Sparkasseneinlagen durch die nachträglichen Altsparerregelungen nicht unwesentlich korrigiert worden ist, bestellt doch noch immerhin ein Unterschied zwischen Geld und Kapital. Das Umstellungsgesetz schreibt denn auch wohlweislich und klipp und klar eine Quote von 10 : 1 für Rentenpapiere vor, weswegen auch die Länder, die sich bereits seit geraumer Zeit durchweg zur Anerkennung der gegen sie lautenden entsprechenden Forderungen durchgerungen haben, diesen Satz akzeptiert haben. Nur der Bund hält sich offenbar für berechtigt, aus seiner in diesem Falle gegebenen und zweifellos verführerischen Doppelstellung als Hoheitsträger und privatrechtlicher Schuldner – denn die Aufnahme einer Anleihe durch den Staat ist ein privatrechtliches Geschäft – dergestalt Kapital zu schlagen, daß er sich unbequemen, aber gesetzlich bereits sanktionierten Verpflichtungen zu entziehen versucht. Das ist das besonders Ärgerliche und leider auch Symptomatische an dem Fall „Reichsschulden“, so wie er sich beim augenblicklichen Stand der Dinge darstellt. Und das ist nicht gut für den Emissionskredit des Bundes. kr.