w. d., Frankenstein

In der zwischen Breslau und dem Glatzer Bergland gelegenen Stadt Frankenstein existiert ein deutsches Kinderheim, das von der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen unterhalten wird. Das Kinderheim ist gegenwärtig mit 110 Jungen und Mädchen belegt, deren Eltern nicht auffindbar sind. Ein Drittel von ihnen ist polnischer Abstammung.

Die Tatsache, daß polnische Kinder das Heim bewohnen, führte zur generellen Einführung polnischen Schulunterrichts. Von den Kindern können nur noch die älteren deutsch sprechen. Durch dieses Zugeständnis konnte aber die Verstaatlichung des Heimes bisher verhindert werden. Noch heute kommen Kinder nach Frankenstein, die man irgendwo in Schlesien als angebliche Waisen bei polnischen Familien findet, die die Jugendlichen sehr ausnutzen und sie vor den Behörden verbergen, um weiter billige Arbeitskräfte zu haben. Das Personal des Kinderheimes besteht aus Deutschen, die das Heim und sich aus Spenden und Zuschüssen der Evangelisch – Augsburgischen Kirche erhalten. Ein polnischer Inspektor vertritt das Heim nach außen. Ein polnischer evangelischer Pfarrer hat die religiöse Unterweisung übernommen und hält regelmäßig Gottesdienst. Zu diesen Andachten – der polnische Pastor spricht auch Deutsch – kommen die Deutschen von weither, da es in diesem Gebiet keine andere seelsorgerische Betreuung gibt. Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes ist bestrebt, die Eltern der in das Heim aufgenommenen Kinder ausfindig zu machen. In einigen Fällen hatte man bereits Erfolg. Die Spenden für diese Zufluchtstätte kommen von den meist verarmten Deutschen in ganz Schlesien. Das Heim hat sich durch Errichtung eines landwirtschaftlichen Betriebes zum Teil unabhängig in der Lebensmittelbeschaffung gemacht. Es wird auch Vieh aller Art gehalten. Die landwirtschaftlichen Arbeiten führen die älteren Heiminsassen aus, da sie fast nie Lehrstellen erhalten können und gern in Frankenstein bleiben.

Die Frankensteiner Burg ist dem Verfall preisgegeben. Auch die evangelische Kirche bietet ein Bild der Verwüstung; sie wird nach und nach von Brennholzsuchern und dunklen Elementen leergeräumt. Das Mutterhaus der evangelischen Kirche dient als Internat, daneben hat man eine polnische Schule eingerichtet, in der auch die Heiminsassen unterrichtet werden. Die Kinder des „Luisenheimes“ dürfen mit den Deutschen der Umgegend Gottesdienst im ehemaligen deutschen Pastorhaus abhalten, das sie sich selbst zu einer Kapelle ausbauten. Am besten erhalten ist in Frankenstein die katholische Kirche, die von den polnisdh-katholi schen Gläubigen instand gehalten wird.

w. d., Breslau Bewohner der Bundesrepublik, die Angehörigen in den polnisch verwalteten deutschen Ostgebieten helfen wollen, können sich jetzt inBriefen, die in polnischer Sprache abgefaßt sein sollen, an die polnische Hilfskasse in Paris (Bank Polska kasa opieki S. A., Filiale Paris, Rue 23 Taitbout, Paris 9 E) wenden und um die notwendigen Unterlagen für eine Geldüberweisung bitten. Der Name und Wohnort des zu Beschenkenden (mit dem Zusatz „Bürger“ vor dem Namen, Herr, Frau oder Fräulein ist verboten) sind anzugeben (polnische Stadt- und Straßenbezeichnungen!) sowie der Zweck der Unterstützung. Nach Erledigung der Formalitäten übersendet dann diese Hilfskasse an den Empfänger einen Gutschein, der in den staatlichen polnischen Warenhäusern als Zahlungsmittel anerkannt wird.

Derselbe Weg ist auch über eine Schweizer Bank möglich, bei der die Pariser Hilfskasse ein Konto hat. Die üblichen Devisenausfuhrformulare werden mit folgender Anschrift versehen: Freies Schweizer-Franken-Konto 34 018, Union der Bank SWISSE, Zürich/Schweiz, Bahnhofstraße 45. Es ist dann möglich, in der Bundesrepublik den für den Empfänger bestimmten Betrag einzuzahlen, der in Schweizer Franken dem Konto der Hilfskasse gutgeschrieben wird, die wiederum die Übersendung des Gutscheines veranlaßt. Die Schweizer Bank nimmt auch Zahlungen für Pakete entgegen. Wenn man etwa 65,– DM für das Hilfspaket Nr. 11 einzahlt, so veranlaßt die Schweizer Bank die Hilfskasse, daß an den Empfänger ein Paket im Wert von 5195 Französischen Franken gesandt wird (1 kg Schinken, 2 kg Schmalz, 1 kg Reis, 4 kg Zucker, 3 kg Weizenmehl, 1 Pfd. Kaffee, 1 Pfd. Kakao, 200 g Tee, Gewürze, Hefe, Seife, Rasierklingen und 70 Zigaretten). Das sind die Dinge, die in den polnisch verwalteten Gebieten am meisten gebraucht werden