Für die Bedeutung der Internationalen Kölner Messe gibt es ein untrügliches Zeichen: bei allen „messepolitischen“ Streitigkeiten der letzten Jahre war kaum von Köln die Rede. Wie schon früher, so gilt auch heute Kölns Messe als „außer Konkurrenz“. Mit ihrer strukturellen Klarheit, ihrer ausgezeichneten geographisch wie wirtschaftlich verstandenen Marktnähe präsentiert sich die Kölner Messe als ein sehr dynamischer Markt.

Wer Messen oder die mit ihnen gegebenen marktpolitischen Überlegungen beschreiben will, muß beachten, daß das Wesen, die Bedeutung und Bewährung einer Messe die Produkte eines organischen Wachstums aus ökonomischen Notwendigkeiten sind. Man kann daher keine Messe „gründen“. Sie kommt und wächst in die Bewährung hinein. Alles andere hieße, den Marktgesetzlichkeiten Zwang antun zu wollen.

Freilich – und dies ist richtig verstandene „Messepolitik“ – die Gesetzlichkeiten, die Dynamik und die Bedürfnisse des Marktes wollen erkannt und im besten Sinne „organisiert“ sein. Dafür gibt es kein Rezept. Hier gilt es nur den richtigen Griff zu tun bei der Auswahl der verfügbaren Möglichkeiten. In Köln ist das gelungen. Und das sichert der Kölner Messe den Vorsprung „außer Konkurrenz“. Über und in Köln wird nicht polemisiert.

In Erkenntnis dessen, was der moderne Markt verlangt, hat man in den letzten Jahren intensiv an der Ausweitung der Kölner Messebewährung gearbeitet. Man hat sich vor allem ohne Illusionen dem inneren Wandel des Messewesens angepaßt. Die Güte einer modernen Messe wird man in Zukunft nicht mehr nach quantitativen, sondern nur noch nach qualitativen Faktoren beurteilen können. Das, was man auf bestimmten ausländischen Messen, z. B. in Mailand, allmählich als Hindernis erkennt, nämlich die Kombination von Konsumgüter- und Investitionsgütermesse, hat in Köln schon vor Jahren zu dem neuen Messestil der erfolgreichen Branchenkonzentration geführt. Ihre organisatorisch-technische Ausführung ist in der Herausbildung von sachlichen wie zeitlichen Schwerpunkten sichtbar. Die Branchenkonzentration, mit denen die Kölner Messe so nachhaltige Erfolge für alle Beteiligten erzielt, entspricht dem steigenden Bedürfnis der Händlerschaft nach größtmöglicher Vertretung „ihrer“ Branche auf dem Markt. Sie erfüllt weiter auch am besten die moderne Funktion der Messe, mehr Kontakt- als Orderplatz zu sein.

Die Kölner Messeveranstaltungen zeigen in Auswirkung dieses inneren Wandels immer wieder reale wirtschaftliche Erfolge für Aussteller und Einkäufer. Das spricht für die gute Kombination der zweigeteilten modernen Messefunktionen, wobei mit quantitativ und qualitativ wachsendem Angebot auf den Teilmärkten einer Volkswirtschaft gerade diese Entwicklungstendenzen in Zukunft noch klarer werden. Das „Geheimnis“ der Internationalen Kölner Messe als Messe der Bewährung liegt darin, daß man der Messe jene Elastizität der Organisation gegeben hat, die sie braucht, um in und nicht über der Marktrealität zu stehen. Die Größe der Elastizität kann man auch in diesem Jahr wiederum an dem umfangreichen Kölner Messeprogramm ablesen. Martin Dürbaum