Die freie Marktwirtschaft ist ohne Messen undenkbar, und deshalb sind auch die von der Wirtschaft für dieses wichtige Mittel der Absatzförderung gemachten Aufwendungen recht beträchtlich. Erst kürzlich konnte man lesen, daß ein großes deutsches Unternehmen von Weltruf 15 v. H. seines gesamten Werbeaufwandes für die Beschickung von Messen und Ausstellungen im In- und Ausland ausgibt. In allen Ländern der Welt werden Messen oder messeähnliche Veranstaltungen durchgeführt. In Toronto und Tokio, in Damaskus und Djakarta, in Addis Abeba und New Delhi, in Bogotá und Johannesburg – um nur einige Veranstaltungen zu nennen – treffen sich Industrielle und Kaufleute aus aller Welt, um für den Absatz ihrer Erzeugnisse zu werben. Dabei treten in diesem Jahr nach der zögernden Zurückhaltung der Vergangenheit die beiden führenden weltpolitischen Mächtegruppen betont in den Vordergrund: die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion.

In der Erkenntnis, daß die Beteiligung an Auslandsveranstaltungen ein geradezu klassisches Mittel der Exportförderung ist, hat die Deutsche Bundesrepublik die bislang für die Beschickung ausländischer Messen bewilligten Mittel fast verdoppelt und wird sich in diesem Jahr an etwa dreißig Veranstaltungen offiziell beteiligen. Diese Mittel werden durch den Ausstellungs- und Messe-Ausschuß der Deutschen Wirtschaft e. V. (AUMA), der als Wahrer der gemeinsamen Belange der deutschen Wirtschaft für die deutsche Messepolitik im In- und Ausland zuständig ist, verwaltet und im Einvernehmen mit den zuständigen Ministerien für folgende Zwecke verwandt: Errichtung, Besetzung und Durchführung von amtlichen Informationsständen, Aufbau und Ausgestaltung von Gemeinschaftsausstellungen deutscher Firmen im Ausland, Werbung im Ausland, Druck und Versand fremdsprachlicher Kataloge und Prospekte, Marktanalysen für einzelne Wirtschaftszweige oder für bestimmte Länder, exportfördernde und werbende Veranstaltungen, deutsche Wirtschaftslage und u. a. Presseinformationen. In besonderen Fällen, etwa bei der Erschließung neuer Märkte, kann eine Subventionierung von Einzelfirmen oder Gruppen aus diesen öffentlichen Mitteln in Form der Gewährung von Zuschüssen zu den individuellen Standmietengebühren, Transportkosten und Reisespesen gewährt werden.

Im Inland mußte die deutsche Messepolitik nach dem verlorenen Krieg und der Trennung Deutschlands völlig neue Wege gehen. Leipzig, vor dem Kriege in der gesamten Welt bekannt als Messeplatz, dem kein anderer an Bedeutung gleichkam, kommt für die Bundesrepublik als Messestadt nicht mehr in Frage. Leipzig hat heute trotz der intensiven Werbung des Messeamtes nicht die internationale Bedeutung wie etwa Mailand oder die westdeutschen Großmessen, weil eben in Leipzig Geschäfte nur im Rahmen der staatlich gelenkten und kontrollierten Wirtschaftspolitik abgeschlossen werden können und Geschäfte zwischen Kaufleuten der westlichen Welt wohl kaum getätigt werden.

In Frankfurt, Hannover und Köln, ergänzt durch Nürnberg und Offenbach, präsentiert sich die neue „Deutsche Messe“. Textilien und Bekleidung, Kunsthandwerk und Kunstgewerbe sind neben anderen wichtigen Warengruppen der Konsumgüterindustrie typische Schwerpunkte der großen Internationalen Frankfurter Messe, wo viele ausländische Staaten eigene Pavillons haben, darunter in diesem Jahr zum erstenmal in der deutschen Messegeschichte auch die USA. Auf der Deutschen Industriemesse Hannover sind vor allem die maßgeblichen technischen Gruppen – Maschinenbau, Elektroindustrie, Chemie, Eisen- und Stahlindustrie und andere – mit einem Angebot vertreten, das von keiner anderen Messe übertroffen wird, und in Köln findet man in einmaliger Vollkommenheit und mit großer ausländischer Beteiligung den gesamten Hausrat und die Fülle der Eisenwaren. Nürnberg ist der internationale Messeplatz der Spielwarenindustrie, und das Angebot der Offenbacher Lederwarenmesse zieht Einkäufer aus aller Herren Ländern an.

Die Aufteilung des Warenangebotes auf fünf Städte erscheint auf den ersten Blick als eine unwirtschaftliche Zersplitterung, die deshalb auch oft kritisiert worden ist. Wenn man aber bedenkt, daß die fünf Messen von über zwei Millionen echter Interessenten besucht werden, dann wird man einsehen, daß ein derartiger Besucherstrom in keiner deutschen Stadt unterkommen könnte. Auch in Leipzig war vor dem Kriege die Unterbringung der Besucher nur möglich, weil jede Leipziger Familie ihren „Messeonkel“ bei sich aufnahm und man außerdem alle kleinen und großen Städte des dichtbesiedelten Sachsens als Ausweichquartiere heranzog.

Den Nachteil der räumlichen Trennung hat der AUMA in harmonischer Zusammenarbeit mit den Messestädten auszugleichen versucht. Eine sinnvolle Aufgabenteilung mit einer sorgfältigen Branchenabgrenzung und Schwerpunktbildung, eine gute Gemeinschaftswerbung der Messen im Ausland und eine Abstimmung der Messetermine, die sich in den Zeitplan der anderen großen europäischen Messen einfügt, sind die Mittel dazu.

Bei Beginn des neuen Messejahres wird man mit Befriedigung feststellen können, daß die Wünsche der Wirtschaft nach einer Vereinfachung und Verbesserung des deutschen Messewesens im Rahmen des Möglichen erfüllt wurden. In den weiten, modernen Messehallen in Frankfurt, Hannover und Köln, in Nürnberg und Offenbach werden auch in diesem Jahr die Einkäufer aus dem In- und Ausland ein Warenangebot finden, das nur eine Messe bieten kann: die „Deutsche Messe“.