Der 1,5 Quadratkilometer große Zwergstaat Monako, der zeit seines 658jährigen Bestehens seine Grenzen nicht verändert hat, macht plötzlich von sich reden. „Par la grace de Dieu“ (Durch die Güte Gottes) ist es dem regierenden Fürsten, Rainer III., eingefallen, 56 Konsulate in aller Welt zu errichten. Vier davon entfallen auf das Bundesgebiet. Sie haben ihren Sitz in Hamburg, Frankfurt, Köln und München. Der Dienstbereich des Hamburger Konsuls Hanns Westendorf erstreckt sich auf die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. Hauptquartier seiner monegassischen Obliegenheiten ist ein nüchternes Büro in einem Altonaer Mietshaus (Ehrenbergstraße 39).

Die Bestallungsurkunde hängt in Gold gerahmt unter Glas an der Wand. In französischer Schönschrift bittet Rainier III. den deutschen Bundeskanzler, Monsieur Hanns Westendorf zu. dem hohen Amt eines Honorar-Konsuls zuzulassen. „Gegeben in meinem Palais auf Grund allerhöchster Kabinetsordre. Rainier.“

Der Konsul ist stolz, die Interessen Monakos vertreten zu dürfen. Wie er zu der Ehre gekommen ist, weiß er nicht. Er ist noch nie in Monako gewesen.

„Eines Tages klopfte Monsieur Lozé, der monegassische Gesandte für das Bundesgebiet, an meine Tür“, berichtet er. „Er teilte mir mit, daß ich von zwei Seiten vorgeschlagen worden sei. Nach eingehender Unterredung gab ich meine Zustimmung.“

Man glaube ja nicht, daß die Vertretung Monakos und seiner 20 000 Einwohner eine Sinekure sei! Da havarierte kürzlich der 6000 Tonnen große monegassische Handelsdampfer „Herkules“. Das Schiff wurde in Hamburg repariert. Wer anders als der Konsul sollte die Rechnung entgegennehmen und die Angelegenheit mit der Versicherung in Ordnung bringen? Wenn ein Monegasse eine Deutsche heiraten will – es geht nicht ohne den Konsul. Er hat mitzureden bei Erbschaftsangelegenheiten, Reiseverlängerungen, Auswanderungen ... Freilich sind dies – der Größe des Landes entsprechend – Aufgaben, die nicht allzuoft vorkommen. Das Schwergewicht der konsularischen Arbeit liegt anderswo.

Nach dem Krieg ging es in Monako in wirtschaftlichen Hinsicht bergab. Spielkasino und Fremdenverkehr gaben nicht mehr her, was zur Aufrechterhaltung einer gesunden Wirtschaft notwendig war. Die Zeiten, in denen die Millionäre aus aller Welt sich jeden Winter „Rendesvous in Monte“ gaben, waren vorüber. Inzwischen fuhr zwar wieder „alle Welt“ an die Riviera, aber jetzt suchte sie Erholung, Badefreuden und Zeltplätze, und gerade das war in Monte Carlo nicht zu finden. Da erschien der griechische Großreeder Aristoteles Onassis, etablierte in Monte Carlo sein Hauptquartier und beschloß, dieses ihm nun am Herzen liegende Land zum Weltkur- und Fremdenverkehrsort Nummer eins zu machen.

Das größte seiner gemeinsam mit dem Fürsten Rainer geplanten Projekt sieht vor, das Terrain des Fürstentums um ein Sechstel seiner Bodenfläche zu vermehren. Dafür soll die Bucht von Monte Carlo, in der das Meer auf einer Breite von 200 Metern nirgends tiefer als höchtens zehn Meter ist, durch einen versenkten Damm aus Betonpyramiden vor der Strömung geschützt und dann ein neuer, breiter Strand von feinstem Sand aufgeschüttet werden. Außerdem soll die Eisenbahn in den Berg hinter der Stadt verlegt und dadurch nochmals Bauplatz gewonnen werden, um aus dem engen alten Spielerparadies einen mondänen Badeort zu machen.