Der Bundestag wird bei dem Bemühen um einen repräsentativeren Parlamentsstil die Neuerungen vorsichtig dosieren müssen. Man kann nicht, was in anderen Parlamenten in jahrhundertealter Tradition gewachsen ist, durch eine interfraktionelle Vereinbarung dekretieren. Wenn man, wie es vorgeschlagen wurde, dem Präsidenten etwa das Grundgesetz vorantragen ließe, würde damit eher die Persiflage als der Respekt angeregt werden. Gegen den Cut des Präsidenten und seiner Stellvertreter ist nichts einzuwenden. Ihr Ansehen wird freilich mehr von einer sicheren, souveränen Geschäftsführung als von ihrer Garderobe abhängen. Eine Ordnung für die Zwischenträger muß es gewiß, geben. Nur sollte es keine zu starre Regelung sein, damit nicht der elektrisierende Impuls der Zwischenfragen, erstickt wird. Die Anregung, den Applaus aus dem Hause zu verbannen, halten wir für nicht glücklich. Man sollte nicht zu gründlich sein im moralisch-ästhetischen Großreinemachen! Es kann einer in der Plenarsitzung gelegentlich Zeitung lesen und doch ein sehr respektabler Volksvertreter sein.

Zu empfehlen wäre ein Verbot jener geltungssüchtigen Veranstaltungen im Bundeshausrestaurant, die dem Ansehen des Parlaments erheblich schaden. Für die Tanzveranstaltung der Fleischerinnung oder eine Modenschau sollten diese Räume nicht zur Verfügung gestellt werden, selbst auf das Risiko, daß die dadurch vielleicht entstehende Lücke im Budget der Pächter aus Steuermitteln geschlossen werden müßte. R.S.