Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., den Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Weltwarenmärkte waren während der Berichtswoche wiederum durch einen trägen Verlauf gekennzeichnet. Wenn auch bei einigen Waren geringfügige Presfestigungen eintraten, so stand diesen jedoch bei anderen eine rückläufige Bewegung gegenüber, so daß sich, insgesamt gesehen, das Preisniveau der hier notierten Waren nicht veränderte. Auch in Moody’s Index von Warenpreisen für Stapelgötter (31. Dezember 1931 = 100), der am 14. Januar und am 21. Januar mit 414,4 unverändert war, kommt diese Entwicklung zum Ausdruck. Es ist anzunehmen, daß das Preisniveau während der Berichtswoche kaum konstant geblieben wäre, wenn nicht bei einigen Waren, z. B. bei den NE-Metallen, bei Kautschuk und auch Wolle, eine Nachfragebelebung stattgefunden hätte, die z. T. auf die angespannte politische Lage um Formosa zurückzuführen war.

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei neun die Tendenz leicht gestiegen bzw. gestiegen und bei neun leicht schwächer. Die Preise von fünf der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer, Blei, Zink und Baumwolle, waren konstant.

Getreide: Auf den nordamerlkanischen Getreidemarkten waren die Preise zumeist rückläufig. Die Ausfuhrnachfrage führte zu keiner Festigung der Notierungen, zumal vor allem bei Weizen Verkäufe durch Berichte über Niederschläge ausgelöst wurden. Außerdem wurden durch Käufe der Exporteure hervorgerufene Preisfestigungen durch Gewinnmitnahmen wieder rückgängig gemacht. Vorübergehend machte sich auf den nordamerikanischen Märkten eine verstärkte Nachfrage nach Mais bemerkbar, da Argentinien die Maisausfuhr infolge von Trockenheit gesperrt hat. Im bisherigen Verlauf der Saison haben die Getreidemärkte eine bemerkenswerte Stabilität aufgewiesen, was auf die im Vergleich zu 1953/54 etwas geringere Welternte und die damit verbundene größere Nachfrage der Verbraucherländer zurückzuführen ist. Allerdings hat sich durch diese etwas geringere. Welternte die statistische Position nicht wesentlich geändert, da nach wie vor besonders in den USA große Vorräte vorhanden sind. Auf jeden Fall ist aber zu erwarten, daß sich am Ende des laufenden Wirtschaftsjahres die Vorräte nicht wesentlich erhöhen werden. Obwohl diese großen Vorräte, um deren verstärkten Absatz sich die Produktionsländer bemühen, einen gewissen Druck auf den Markt ausüben, stellen sie gleichzeitig eine Reserve für evtl. Mißernten dar, wie sie häufig auftreten, ein Gesichtspunkt, der aber den Weltmarkt kaum entlastet. – Um die vorhandenen überschüssigen Agrarerzeugnisse abzubauen, hat das US-Landwirtschaftsministerium die Exporteure ermächtigt, Weizen im Wert von etwas über 20 Mill. $ an ausländische Interessenten gegen Zahlung in nationalen Währungen zu verkaufen. U. a. wollen die USA ungefähr 250 000 t überschüssigen Weizen an Brasilien gegen Bezahlung in Cruzeiros verkaufen. Diese überschüssigen Agrarerzeugnisse, um deren verstärkten Absatz sich die US-Regierung bemüht, sollen in erster Linie an Weichwährungsländer verkauft werden, die, bedingt durch ihre Währungslage, sowieso kaum US-amerikanisches Getreide kaufen würden. Die Regelung strebt eine Marktspaltung an mit dem Ziel, die Getreideüberschüsse zu den bestmöglichen Bedingungen abzusetzen. Infolge der starken Inanspruchnahme der Beleinungsmöglichkeiten, vor allem für Weizen und Baumwolle, sind die Bestände der Commodity Credit Corporation In den USA im November v. J. erneut gestiegen und betrugen am 30. 11. 1954 wertmäßig 6,89 Mrd. $, gegenüber 5,25 Mrd. $ am 30. 11. 1953. Nicht nur in den USA sind große Bestände vorhanden, sondern die vier großen Weizenexportländer, die USA, Kanada, Argentinien und Australien, verfügten am 1. 12. 1954 zusammen über ein Warenangebot, das mit insgesamt 1,896 Mrd. bu 37 Mill. bu größer war als am 1. 12. 1953.

NE – Metalle: Auf den NE-Metallmärkten trat eine Festigung ein. Vor allem war die Grundstimmung für Kupfer sehr fest. Die bereits seit einiger Zeit erwartete Heraufsetzung des US-Inlandpreises ist bis jetzt noch nicht eingetreten. Es wird aber erwartet, daß die Anaconda Copper Corporation ab 24. Januar ihren Hüttenabgabepreis von 30 auf 32,5 oder 33 c/lb heraufsetzen wird und daß sich die übrigen Unternehmen anschließen werden. Dieser Preis wäre ein Kompromiß zwischen dem derzeitigen Hüttenabgabepreis von 30 c/lb und der chilenischen Forderung von 36 c/lb. Daß die Preisheraufsetzung nicht bereits früher stattgefunden hat, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß sich in den USA zwei Auffassungen gegenüberstehen. nämlich einmal die Befürchtung, daß durch eine Preiserhöhung Kupfer in verstärktem Umfange durch andere Metalle ersetzt und daß nicht nur eine Störung des sehr stabilen nordamerikanischen Kupfermarktes hervorgerufen wird, sondern daß auch hierdurch das Angebot keineswegs vergrößert werden wird. Andererseits ist aber zu befürchten, daß Kupfer, wenn keine Preiserhöhung in den USA vorgenommen wird, nach anderen Märkten statt nach den USA fließt, zumal der Londoner Preis wesentlich über dem New Yorker liegt. Das von New York nach London bestehende Preisgefälle hatte die chilenische Regierung bereits zu der Erklärung veranlaßt, Kupferlieferunden nach Großbritannien umzuleiten. Da aber nach einer Erklärung des Banjo Central de Chile das Land gegenwärtig keine Verwendung für größere Pfund-Sterling-Einnahmen hat, dürfte diese Erklärung in erster Linie ein Druckmittel gegenüber der USA-Regierung gewesen sein, den US-lnlandpreis heraufzusetzen. – In London hielten sich die Preisbewegungen in engeren Grenzen als in der Vorwoche. Die Kassanotierung zog während der Berichtswoche erneut an und überstieg die 300-£-Grenze. Weitgehend wird in London das Ergebnis der gegenwärtig in Johannesburg stattfindenden Besprechung über die Stabilisierung des Commonwealth-Kupferpreises abgewartet.

Wolle: Unter dem Einfluß der Preisbesserungen auf den Dominion-Auktionen trat eine Festigung auf dem Londoner und New Yorker Wollterminmarkt ein. Auch auf der Londoner Wollauktionsserie war bei sehr lebhaftem Wettbewerb die Preistendenz nach oben gerichtet. In Erwartung weiterer Preisfestigungen belebte sich das Kaufinteresse.

Baumwolle: Der Internationale Beratende Baumwollausschuß schätzt das Baumwollaufkommen der freien Witt 1954/55 auf 28,5 Mill. Ballen. Es liegt damit 1,5 Mill. Ballen unter dem Ergebnis der Saison 1953/54. Der US-Inlandverbrauch vom 1. S. 1954 bis zum 1. 1. 1955 liegt mit 3,718 Mill. Ballen etwas unter demjenigen der Vergleichszeit des Vorjahres in Höhe von 3,743 Mill. Ballen. Die Ausfuhr in der Saison 1954/55 betrug bis zum 13, 1. 1955 insgesamt 1,785 Mill. Ballen und überstieg diejenige der entsprechenden Zeit des Vorjahres um rund 35 v. H.