Was der Bundesfinanzminister nie erwartet hat, ist nun doch eingetreten: Westdeutschlands Sektkellereien haben im vorigen Jahr ihren Absatz wieder beträchtlich erhöhen können. Nachdem bereits 1953 eine Verkaufssteigerung gegenüber 1952 um 59 v. H. zu verzeichnen gewesen war, ist der Absatz dann im ersten Halbjahr 1954 gegenüber der Vergleichszeit von 1953 um weitere 23 v. H. angewachsen. Da auch in der zweiten Hälfte des letzten Jahres die Verkäufe spürbar gestiegen sind, kann man damit rechnen, daß die Sektkellereien zum erstenmal seit Kriegsende einen Jahresumsatz von über 20 Mill. Flaschen erreichen konnten. Es ist in der Tat so, daß der Sekt-Umsatz nach dem Inkrafttreten des neuen Schaumweinsteuergesetzes sprunghaft anzog; denn 1952 wurden kaum 9,6 Mill. Flaschen Sekt auf den Markt gebracht. Mit dem Exempel der Schaumweinsteuer können also nicht nur die Sektkellereien, sondern auch der Fiskus durchaus zufrieden sein, dem dank des Aufstiegs der Sektkellereien bei der Umsatz-, Einkommen-, Körperschafts- und Lohnsteuer erkleckliche Summen zuflössen. Hinzukommt aber noch die positive Auswirkung der Sektkonjunktur auf die deutschen Winzer, da die Sektkellereien mindestens 50 v. H. ihrer Grundweine im Inland kaufen.

Der Sektexport zeigt ebenfalls eine befriedigende Entwicklung. 1950 waren es kaum 59 000 Flaschen, die vor allem nach Großbritannien, dem Commonwealth und den USA gingen. Über 117 500 Flaschen in 1951, dann 159 200 in 1952 und 209 300 in 1953 stieg der Exporttrend im vergangenen Jahr schließlich auf rund 300 000 Flaschen. Zu einem gewichtigen Teil ist diese günstige Geschäftsentwicklung auf das marktkonforme Verhalten der Sektkellereien zurückzuführen, die sich übrigens umfangreicher Rationalisierungsmaßnahmen und schärfster Kalkulation befleißigen. ww.