Die Diktatur liebt den Terror, aber nicht die Terroristen. Wer dem Terror dient, kann kaum mit einem ruhigen Lebensabend rechnen. Das liegt in der Logik der Dinge. Die Bilanz der Liquidatoren seit 1953 ist eindrucksvoll. Auch dann, wenn man nur das Schicksal der Spitzenfunktionäre berücksichtigt. Hingerichtet wurden: ein Innenminister und erster Stellvertreter des Ministerpräsidenten (Berija), ein Minister beziehungsweise Staatssekretär für Staatssicherheit (Abakumow), ein Minister beziehungsweise Staatssekretär für Staatskontrolle (Merkulow), ein stellvertretender Staatssicherheitsminister (Rjumin), der Chef der Untersuchungsabteilung für besonders wichtige Fälle im Ministerium für Staatssicherheit (Leonow), dessen zwei Stellvertreter (Komarow und Lichatschew), ein Innenminister einer Sowjetrepublik (Dekanosow). Zu Zuchthaus („Arbeitslager“) wurden verurteilt: zwei hohe Beamte des Ministeriums für Staatssicherheit, Tschernow und Bowerman; abgesetzt ohne Bekanntgabe ihres weiteren Schicksals wurden: ein Minister für Staatssicherheit, Ignatiew, ein stellvertretender Innenminister, Kobulow, ein Verwaltungsleiter des Innenministeriums, Goglidse, der Chef der Untersuchungsabteilung für besonders wichtige Fälle im Innenministerium, Wlodimirski, und ein Innenminister einer Sowjetrepublik, Meschik.

Es ist schwer, in jedem einzelnen Fall zu sagen, welches Motiv den Ausschlag gab. Abakumow zum Beispiel war ursprünglich Günstling sowohl Berijas wie Malenkows. Seine Stellung war unerschütterlich, solange die beiden gegen Schdanow verbündet waren. Als aus ihrem Bündnis ein Kampf auf Leben und Tod wurde, versuchte Abakumow zu Malenkow herüberzurudern. Berija mißtraute ihm, und es ist sicher, daß er an dessen „Verschwörung“ nicht beteiligt war. Wenn ihn trotzdem das Schicksal ereilt hat, so bedeutet dies vielleicht, daß Malenkow selbst der Ansicht ist, Abakumow wisse zuviel. Sicher war er einer der wenigen, die über die Rolle Malenkows in der sogenannten „Leningrader Affäre“ (einer Intrige Berijas und Malenkows gegen Schdanow und seine Anhänger) genau Bescheid wußten. Er wird auch gewußt haben, ob Schdanow eines natürlichen Todes starb, oder ob Malenkow auch bei diesem Todesfall seine Hand im Spiele hatte. Ue.