Ohne Diskussion und unter dem Beifall der Aktionäre endete die ao. HV der Allianz Versicherungs-AG München, die auf Verlangen des Münchener Bankhauses Merck, Finck & Co. zum 25. Januar in München einberufen worden war. Die in den letzten Stunden zugunsten des Versicherungsgedankens erfolgte Wendung bildete keine Überraschung mehr, da 24 Stunden vor der HV ein knappes Kommuniqué über die Verständigung der beiden Kontrahenten unterrichtet hatte.

Über 350 Aktionäre nahmen befriedigt den von Kommerzienrat Dr. h. c. Butzengeiger verlesenen Text zur Kenntnis. Er lautet sinngemäß: Es herrscht Einigkeit darüber, daß das Stimmrecht aus dem wechselseitigen Aktienbesitz von Allianz und Münchener Rück besteht und durch die Vorstände beider Gesellschaften ausgeübt werden kann. Die Vorstände der beiden Gesellschaften werden das Stimmrecht in wichtigen Fragen, besonders bei Aufsichtsratswahlen, im Einvernehmen mit dem AR ausüben. Im Interesse der Unabhängigkeit beider Gesellschaften – die eine Verstärkung des gegenwärtigen, gegenseitigen Aktienbesitzes (von etwa 30 v. H.) nicht beabsichtigen – und im Interesse der Gesamtheit der Aktionäre wird es bei der bisherigen Übung bezüglich der gegenseitigen Vertretung in den Aufsichtsräten beider Gesellschaften belassen, so daß von den Vorständen beider Gesellschaften jeweils nur ein Mitglied, in der Regel der Vorsitzer des Vorstandes, Mitglied des AR der anderen Gesellschaft ist. – Die Allianz wird den Börsenzulassungsstellen erklären, daß ihr AR künftig die Umschreibung von Aktien nur verweigern wird, wenn der Erwerber keine hinreichende Sicherheit für die Volleinzahlung bietet oder der AR die Ablehnung eines Umschreibungsantrages im Interesse der Gesellschaft aus außerordentlichen Gründen für erforderlich hält. Diese Gründe sind dem Antragsteller bekanntzugeben. Umschreibungsanträgen, die sich auf bisher getätigte Käufe erstrecken, wird die Allianz entsprechen. – Die Verwaltung der Münchener Rück wird in der nächsten HV über die Auswirkungen der Abgabe des „Passagebesitzes“ an Allianz-Aktien auf das Geschäftsergebnis der Münchener Rück berichten, (Dieser Punkt war auf der letzten HV der Münchener Rück von der Opposition immer wieder berührt worden.) Die Erklärung schloß mit der Feststellung, daß damit das auf der HV der Münchener Rück am 9. 12. 1954 gestellte Auskunftsersuchen erledigt, die Punkte der Tagesordnung, welche die Satzungsänderungen behandeln sollten, gegenstandslos seien, und schließlich, daß keinerlei Sonderabmachungen zwischen den Beteiligten getroffen wurden.

Wie sich die persönlichen Beziehungen zwischen den Gesellschaften und auch der weitere geschäftliche Kontakt entwickeln werden, bleibt abzuwarten. Festgehalten zu werden verdient, daß die Regelung bezüglich der Aktienumschreibung keinen direkten Rückschluß zuläßt, ob die Zukäufe von Fincks fortgesetzt oder eingestellt werden. Zweifellos wird so oder so das Interesse der Beteiligten auf eine Kurspflege gerichtet sein. So waren denn auch in den ersten drei Tagen seit Bekanntwerden der Verständigung bei der Allianz und bei der Münchener Rück nur leichte, über die allgemeine Börsentendenz nicht hinausgehende Kursabstriche zu vermerken. Schließlich hat ja die Allianz für 1951/53 insgesamt 20 v. H. Dividende angekündigt und auch die Münchener Rück konnte seinerzeit von einem starken Geschäftsaufschwung berichten.

Auch der Vorsitzende des Vorstandes der Allianz, Generaldirektor Dr. Hans Goudefroy, hatte zu Beginn der HV einen stolzen Erfolgsbericht über das seit 1945 und besonders seit der Währungsreform Erreichte vorlegen können. Obwohl der Verlust der Ostgebiete eine Einbuße von 45 v. H. des Vorkriegs geschäftes der Allianz brachte, wurden die Prämieneinnahmen von 175 Mill. RM In 1938 auf 412 Mill. DM in 1954 gesteigert. Berücksichtigt man die geringere Kaufkraft der Mark, so entspricht das Ergebnis von 1954 mehr als einer Verdoppelung der Umsätze, die 1938 in dem gleichen Gebiet erzielt wurden, in dem die Allianz heute arbeiten kann. Die Gesellschaft rechnet bis Ende 1954 mit etwa fünf Mill. langfristigen Versicherungsverträgen. Dazu kommen noch etwa 1,7 Mill. Lebensversicherungen der Allianz Leben.

Nach dem Abschluß der Wiederaufbau zeit der Allianz in 1954 wird der Gesellschaft für die DM-Eröffnungsbilanz ein Eigenkapital von etwas über 47 Mill. DM verbleiben. Trotz der Notwendigkeit angemessener offener Rücklagen werde voraussichtlich eine Umstellung des AK von 10 : 5 möglich sein. Zusammen mit der DMEB sollen im Verlauf von 1955 die Abschlüsse bis Ende 1952 der HV vorgelegt werden. Ihnen sollen im Frühjahr 1956 die Abschlüsse für 1953 und 1954 folgen. Die Allianz hofft, wie Goudefroy abschließend mitteilte, für 1951 und 1952 je 6 v. H. und für 1953 8 v. H. Dividende vorschlagen zu können. t. r.