Bremen könne nicht auf einem Bein stehen, sondern müsse neben der Schiffahrt und dem Handel auch eine leistungsfähige Industrie haben. Dieser Ausspruch stammt von Heinrich Wiegand, dem ehemaligen Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd in Bremen. In der Tat: in den inzwischen verflossenen Jahren hat sich die industrielle Basis der Hansestadt in einem bemerkenswerten Umfang erweitert. Nun wird Bremen auf diesem Weg einen weiteren Schritt voran tun: durch Klöckner.

Wie weit dieser Schritt sein wird, mag man aus den Worten von Bürgermeister Kaisen vor der bremischen Bürgerschaft ersehen, daß nämlich das Klöckner-Projekt wohl nur Parallelen in den großen Bauvorhaben der verflossenen Jahrzehnte habe, wie etwa die Unterweservertiefung durch Franzius oder die Anlage der Handels- und Industriehäfen in den Jahren 1884 bis 1912. Die von Klöckner geplante Anlage, die in der ersten Aufbaustufe die Errichtung eines Stahl- und Walzwerkes vorsieht und 1956/57 die Arbeiten aufnehmen soll, kann zweifellos ein Kristallisationspunkt für die spätere Ansiedlung weiterverarbeitender Industriebetriebe werden.

Nicht nur der Arbeitsmarkt dürfte hierdurch eine Entlastung erfahren, auch in den Zahlen des bremischen Seegüterumschlags wird sich der vermehrte Import von Rohstoffen und der verstärkte Export von Halb- und Fertigprodukten auswirken. Die Bedeutung der „Hütte am seetiefen Wasser“ wird nach Kaisens Worten keineswegs auf Bremen beschränkt sein, sich vielmehr auf den gesamten Unterweserraum ausstrahlen. W. S.