Als der wichtigste automobiltechnische Fortschritt dieses Jahres muß in Deutschland die Aufnahme der Serienproduktion schlauchloser Reifen bezeichnet werden, nachdem in dieser Hinsicht bisher Amerika führend war. Der schlauchlose Reifen ist ein typisches Beispiel dafür, wie technische Entwicklungen oft verlaufen: erfunden haben viele daran, aber doch gibt es keinen eigentlichen Erfinder. Anfangs war der schlauchlose Reifen mit allen möglichen Vorrichtungen zum Abdichten und zum Festhalten auf der Felge reichlich kompliziert. Doch dann wurde er immer einfacher und präsentiert sich heute als ein normaler Reifen, dem man bei flüchtigem Betrachten kaum ansieht, daß er „schlauchlos“ ist. Die Vorteile des schlauchlosen Reifens sind sehr vielfältig: das Fahren ist sicherer, weil kleinere Beschädigungen unwirksam sind und größere Schäden nur ein allmähliches Absinken des Luftdruckes herbeiführen; er läuft kühler, weil die Reibung zwischen Decke und Schlauch fortfällt (beide Erscheinungen bewirken zudem eine etwas höhere Lebensdauer) die Straßenlage ist etwas besser und das Gewicht etwas geringer als das eines normalen Reifens mit Schlauch. Dieser Vorteil kommt vor allem den Federungseigenschaften zugute und auch den Wünschen der Fahrzeugkonstrukteure nach geringeren und abgefederten Gewichten entgegen.

Die Richtigkeit dieser Feststellungen bewies die Deutsche Dunlop Gummi Compagnie AG, Hanau, als sie in der vergangenen Woche der Presse auf dem Frankfurter Messegelände die ersten schlauchlosen Dunlop-Reifen in Theorie und Praxis vorführte. Diese Erzeugnisse der Dunlop-Produktion wurden, wie Dir. Dipl.-Ing. Willy Kraemer ausführte auf den Namen „Tubeless“ getauft und dürften im nächsten Monat auf den Markt kommen. Zunächst sollen zehn Größen hergestellt werden, mit denen man fast alle modernen Wagen bereifen kann. Der Preis der schlauchlosen Dunlop-Reifen wird Im Vergleich zu der jetzt üblichen Decke mit Schlauch nur um etwa 5 v. H. höher liegen.

In einer Reihe sehr interessanter Vorführungen wurde das Verhalten der „Tubuless“ im Vergleich zu normalen Reifen gezeigt. Diese praktischen Beispiele ließen erkennen, daß die „Tubeless“-Reifen gegenüber den bisherigen Reifen mit Schlauch auf trockener und auch auf nasser Bahn eine weit höhere Kurvenfestigkeit und Rutschfestigkeit besitzen und der Reifen auch dann keine Luft verliert, wenn er (z. B. beim Parken) gegen einen Bordstein gefahren wird. Der hervorragende Sitz des „Tubeless“ auf der Felge bei vermindertem Luftdruck wurde ebenfalls überzeugend demonstriert. Dir. Kraemer betonte, daß Dunlop sich mit der „schlauchlosen“ Produktion lediglich auf Pkw-Reifen spezialisiert und keinen schlauchlosen Riesenluftreifen für die heute vorhandenen Felgen vorbereitet.

Generaldir. E. F. Hingeley hatte einleitend darauf hingewiesen, daß der Luftreifen von dem irischen Tierarzt John Boyd Dunlop 1887 erfunden wurde und alles. was in den folgenden Jahren an Verbesserungen für den Luftreifen getan wurde und noch getan wird, auf diese Erfindung zurückgeht. Inzwischen ist aus dem damaligen kleinen Dunlop-Werk eines der größten Unternehmen in der Welt geworden; das sogar für sich in Anspruch nehmen kann, größter Produzent und Verarbeiter von Naturkautschuk zu sein. In allen Teilen der Welt beschäftigt Dunlop gegenwärtig 93 000 Männer und Frauen. Die Produktion verteilt sich auf 61 Fabriken in 15 verschiedenen Ländern. 1953 belief sich der Jahresumsatz auf nahezu drei Mrd. DM. Neben der Reifenfabrikation hat sich das Unternehmen schon frühzeitig mit der Herstellung technischer Gummiwaren für industrielle Zwecke und der Produktion von Schuhwaren. Sportartikeln, Regenbekleidung, Spielwaren, Fußbodenbelag und u. a. Klebstoffen beschäftigt. Das Hanauer Dunlop-Werk beschäftigt 4300 Belegschaftsmitglieder! das sind 1300 mehr als 1939. Gegenwärtig wird eine neue Fabrik für Fußbodenplatten gebaut, in der noch in diesem Frühjahr die Produktion anlaufen wird. Es ist selbstverständlich, daß dieser zweitgrößten deutschen Reifenfabrik der Fortschritt einer weiteren Motorisierung sehr am Herzen liegt. Generaldir. Hingeley gab in diesem Zusammenhang der Hoffnung, Ausdruck, daß die Neuordnung des Verkehrs recht bald nach den Grundsätzen der Vernunft erfolgen sollte und sprach den Wunsch nach einem großzügig geplanten Straßenbau aus, w w.

Die HV der Elektrische Licht- und Kraftanlagen AG in Köln, auf der nom. 14,37 Mill. DM Aktien von 20 Mill. DM AK vertreten waren, beschloß, aus dem Jahresgewinn 1953/54 (30. 6.) von 0,46 Mill. DM, der sich um den Vortrag auf 0,99 Mill. DM erhöht, erstmals wieder eine Dividende von 4 v. H. zu verteilen und den Rest auf neue Rechnung vorzutragen. Nach Mitteilung der Verwaltung haben die meisten Beteiligungsgesellschaften im laufenden Geschäftsjahr bei steigenden Umsätzen bessere Betriebsergebnisse erzielt, so daß die Aussichten für das Geschäftsjahr 1954/55 günstig beurteilt werden.

Neues Volkswagenzweigwerk in Hannover-Stöcken. Der AR der Volkswagenwerk GmbH hat beschlossen, das geplante Volkswagenzweigwerk in Hannover-Stöcken zu errichten. Damit ist der Vorschlag der Geschäftsleitung angenommen worden. Die Bauarbeiten sollen sofort aufgenommen werden. Man rechnet damit, daß das Werk, das ausschließlich Transporter herstellen wird, zunächst 200 Einheiten je Tag produzieren wird. Es soll in der Endstufe 5000 Arbeitskräfte beschäftigen.

Interessengemeinschaft Hanomag–Tempo. Die Firmen Hanomag (Hannover) und das Tempo-Werk (Hamburg-Harburg) sind eine Interessengemeinschaft eingegangen, die sich auf das Produktionsprogramm der beiden Gesellschaften hinsichtlich des Baues von Schnell- und Leichtlastwagen bezieht. Das gemeinsame Verkaufsprogramm der beiden Firmen geht vom Dreirad-Lieferwagen und den Vierrad-Typen „Viking“ und „Matador“ des Tempo-Werkes bis zu den drei Schnellastwagen von Hanomag es umfaßt also Nutzfahrzeuge von 0,5 bis 1,5 t Tragfähigkeit. Die Selbständigkeit des Tempo-Werkes soll auch In Zukunft gewahrt bleiben. Dagegen wird die Verkaufsorganisation der beiden Firmen Im In- und Ausland koordiniert werden. Die Hanomag befindet sich fast ganz im Besitz der „Rheinstahl-Union, Maschinenbau und Stahlbau AG“ (Düsseldorf).

Werkzeugmaschinenfabrik Gildemeister & Co. AG, Bielefeld. Das Unternehmen hat 1953/54 gut gearbeitet. Es weist per 30. Juni einen Reingewinn von 0,199 Mill. DM aus, aus dem auf das Grundkapital von 2 Mill. DM eine Dividende von 8 v. H. ausgeschüttet wird. Die Umsätze konnten erheblich gesteigert werden. Das Ergebnis war trotz gewisser Preiskämpfe recht befriedigend. Vor allem ist das Exportgeschäft erfolgreich verlaufen. Die Kundschaft interessierte sich sehr für die Neukonstruktionen. Im laufenden Geschäftsjahr sind Inland- und Exportsätze weiter gestiegen, so daß die Verwaltung mit einem wieder befriedigenden Abschluß rechnet.