dd., Frankfurt

Mit der Entscheidung über den Fall Lippmann ist nichts zur Anerkennung der Sowjetzonenrepublik oder der dort herrschenden Rechtssystems gesagt, auch wenn es problematisch ist, das Eigentum an Geldern zu schützen, die zur Agitation gegen die Bundesrepublik bestimmt waren“, so Landgerichtsdirektor Dr. Gieseke in der Begründung des auf fünfzehn Monate wegen Unterschlagung lautenden Urteils gegen das frühere Mitglied des FDJ-Zentralrats in Ostberlin, Karl-Heinz Lippmann.

Lippmann war Ende 1953 unter Mitnahme von 170 000 West-Mark aus der Zentralratskasse in den Westen geflüchtet. Es waren angeblich Gelder, die zur Agitation kommunistischer Tarngruppen, in der Bundesrepublik bestimmt waren, Lippmann kaufte sich einen Strick, einen Cadillac und für seine anspruchsvolle Freundin eine luxuriös ausgestattete Wohnung, er lebte in Bars und Spielbanken auf großem Fuß und bestach einen Frankfurter Polizeiangestellten, der ihm dann einen falschen Paß ausstellte. Lippmann erklärte vor dem Landgericht, er habe das Geld der FdJ-Zentralratskasse nur gebraucht, um sich im Westen gegen ostdeutsche Spitzel zu tarnen, die ihm wegen seiner Flucht aufgelauert hätten. Er sei von ihnen erpreßt worden und habe daher in Wirklichkeit ein viel schwierigeres Leben geführt als andere Sowjetzonenflüchtlinge, die zufällig nicht das Glück hatten, eine FdJ-Kasse zu plündern.

Das Gericht berief sich dagegen auf den „nach rechtsstaatlichen Grundsätzen der Bundesrepublik in ganz Deutschland anzustrebenden Eigentumsschutz.“