Heinz Schulze-Varells erfolgreiche deutsche Modenschau in Paris

Paris, Anfang Februar

Wenn ein deutsches Modenhaus, Henri Varell (Heinz Schulze-Varell aus München), kurz bevor die großen französischen Häuser ihre Kollektionen zeigen, im Zentrum der Pariser Haute-Couture in den Salonräumen des Hotels George V. zu einer Modevorführung einlädt, dann ist das wahrhaftig ein gewagtes Unternehmen. Die Pariser Couturiers würden es jedenfalls nicht gern sehen, daß die französischen Herbst- und Frühjahrsmodenschauen zur internationalen Messe der Modeschöpfer werden. Es bedarf schon einer großen Sicherheit und eines noch größeren Mutes, sich der hiesigen Kritik zu stellen. Das Urteil über die von Varell gezeigten Modelle nun war recht günstig. Besonders begeistert klatschten gewichtige amerikanische Einkäuferinnen Beifall.

Überraschend pariserisch erschienen die Mannequins. Vor allen andern Kiku, „Cremehütchen“ genannt, wirkte in Gestalt und Haltung, als könnte sie nur an der Seine geboren sein. Ein Paradox dieser merkwürdigen Vorführung war, daß das Pariser Starmannequin ^Capucine, das von Varell engagiert war, am „deutschesten“ wirkte.

Varell zeigte die Linie, die in der letzten Saison aufkam und auch noch die Frühjahrskollektionen 1955 beherrschen wird: „ligne mariniere“, lang herabgezogene Taille, kaum markiert, Blusenformen, die über den Rock herübergreifen. Seine eigene Linie: spielerische Plissees und Gürtelformen, die um die Hüfte drapiert sind.

Seine einfachen Linien wirkten sehr elegant. Weniger glücklich waren die zu schweren Drapierungen. Obwohl nur französische Stoffe verarbeitet waren, schien es, als ob der Faltenwurf, das berühmte „Fallen“ der Kleider, eben doch erst nach einer langen Tradition „hingeworfen“ werden kann. Daran vor allem merkt man den Unterschied zu den Kreationen aus Paris.

Trug Henri Varell (warum ließ er nur den armen Herrn Schulze in München?) wirklich Eulen nach Athen? Nun, in jedem Fall waren es Eulen, die sich sehr wohl neben den Einheimischen sehen lassen konnten. Und das will doch in Paris, dem klassischen Athen der Mode, sehr viel heißen.