Die zehn Tage um die Jahreswende, in denen der NWDR Hamburg von sechs UKW-Sendern aus versuchsweise ein „Drittes Programm“ ausgestrahlt hat, wurden von der Hörerforschung beim NWDR in vorsichtig durchgeführten Tests daraufhin untersucht, wie weit ein anspruchsvolleres Hörerpublikum vorhanden ist und welche Wünsche es hat. Die Ergebnisse, die jetzt vorliegen, sind ermutigend. Zunächst: die ausschließlich „anspruchsvollen“ Sendungen sind, sofern die Tests darüber genügend Auskunft geben, in der Zeit zwischen 18 Uhr und 22.30 Uhr durchschnittlich von rund 25 000 Hörern gehört worden. Im gesamten Sendebereich „Nord“ könnte also ein Drittes Programm auf durchschnittlich 120 000 Hörer rechnen, im gesamten Sendebereich des NWDR auf 250 000. Das sind unerwartet hohe Durchschnittszahlen, die zeigen, daß ein ständiges Drittes Programm, bei gewissen Modifikationen gegenüber den Versuchstagen, in den Abendstunden auf recht starke Resonanz stoßen würde Auch die absoluten Hörbeteiligungszahlen sprechen nach den Testergebnissen eine deutliche Sprache. Sie liegen am höchsten bei Goethes „Iphigenie“, Erich Kubys fünf Hörfolgen „Der hilflose Diktator Konsument“, Bruno Snells „Neun Tage Latein“ und Gerhart Hauptmanns „Iphigenie in Delphi“. Die Hörer des Dritten Programms haben aus ihren Urteilen keinen Hehl gemacht. Die Aufschlüsselung der Abteilung Hörerforschung nach „positiv“, „negativ“ und „indifferent“ beweist, daß die moderne problematische Musik (jenseits der Schwelle nach Strawinskij und Bartók) noch nicht auf freudige Anteilnahme derjenigen rechnen kann, die Palestrinas „Missa Papae Marcelli“ und Bachs „Goldberg-Variationen“ mit ungeteilter Zustimmung aufnahmen: nur 18 v. H. der Hörer, deren Urteil vorliegt, äußerten sich positiv über die Werke von Arnold Schönberg, Messiaen, Martinot und Klebe, 33 v. H. waren entschieden „dagegen“, und 49 v. H. erklärten sich für tolerant, aber unempfänglich. Bei „Moses und Aron“ hatte genau die Hälfte während der Sendung abgeschaltet, ob alle aus Protest oder aus Zeitmangel, ist statistisch nicht erwiesen. Bei den Vorklassikern oder bei den „Iphigenien“ hat jedenfalls kein einziger abgeschaltet, und ebenfalls nicht bei Kubys „Konsument“ und den Gesprächen mit Adolf Butenandt und Carl Friedrich von Weizsäcker, die von vielen als Kernstücke des ganzen Programms begrüßt wurden. Dieses die Einwände. Auf die Schlußfrage aber: „Soll der Rundfunk weiterhin ein Drittes Programm senden?“ antworteten 90 v. H. mit Ja und nur zwei v. H. mit Nein – ein Resultat, das in allen deutschen Funkhäusern aufhorchen lassen sollte. „Der Versuch des NWDR, ein „Drittes Programm‘ für anspruchsvolle Hörer einzurichten, kann als geglückt bezeichnet werden“, stellte der Initiator der Idee, Intendant Ernst Schnabel, mit Genugtuung fest.

Donnerstag, 3. Februar, 20 Uhr, vom Südwestfunk und Sender Freies Berlin:

In New York wird heute der weltberühmte Geiger Fritz Kreisler achtzig Jahre alt. Ihm gilt das Musikerporträt des Südwestfunks.

20.05 vom NWDR: Heinrich Spoerls Hörspiel nach seinem Bestseller „Wenn wir alle Engel wären“. – 21.00 ans Stattgart: Karl Böhm dirigiert Dvořaks Symphonie „Aus der neuen Welt“, – 22.00 aus Bremen: Walter Niebuhr untersucht die Figuren des heutigen Schelmenromans. – 22.45 aus Bremen: Wolfgang Fortners „Capriccio und Finale“. – 23.15 vom NWDR: Strawinskijs „Three songs from Shakespeare“ und das 2. Streichquartett von Roger Sessions.

Freitag, 4. Februar, 23.15 Uhr, vom Sender Freies Berlin:

Dem Phänomen der Konstanz der Begabung in manchen Familien (Curtius, v. Weizsäcker zum Beispiel) widmete Hilde Herrmann Jahre der Einzelforschung. Ihre Hörfolge „Begabte Familien“ gibt ein Resümee.

20.00 aus München: Eugen Szenkar dirigiert im Herkules-Saal ein Konzert mit Schönbergs „Verklärter Nacht“, Dukas’ „Zauberlehrling“ und Berlioz’ „Phantastischer Symphonie“, – 20.15 vom SFB: Jean Giraudoux’ „Apollo von Bellac“ als Hörspiel. – 21.00 vom NWDR: Gesänge der Synagoge, gesungen vom Kölner Rundfunkchor. – 22.10 vom NWDR: Nachtprogramm über Rapallo, Stresemann und andere. – 23.30 vom RIAS: Max Brods Gedenkrede auf Franz Kafka. – 23.30 vom NWDR: Darius Milhauds 1. Klavierkonzert und Boris Blachers Ballettsuite „Harlekinade“.