DIE ZEIT

Blinder Eifer

Der Brennpunkt der internationalen Aufregung hat sich für einige Zeit nach Formosa verlagert. Aber er wird bald wieder in Deutschland sein, falls Tschou Enlai so freundlich ist, wenigstens die Hilfe der Amerikaner bei der Räumung der Tachen-Inseln zu dulden, die die chinesischen Kommunisten ja zu besitzen wünschen.

Prüfstein für Moskau

Seit längerer Zeit sind Besprechungen zwischen dem Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Weitz, und Vertretern des sowjetrussischen Roten Kreuzes in Aussicht genommen.

Im Angriff gegen Mendes-France

Auf die Gefahr hin, allzu unbedingten Europaidealisten damit ein wenig die Beete zu verhageln, muß ausgesprochen werden, wie fern sich heute im konkreten Verhalten die Franzosen und die Deutschen sind.

Ulme und Rebe

„An einer Ulme rankt sich eine Rebe hinauf, und nun hängt die Fülle der Trauben von dem an sich unfruchtbaren Baum herab, während die am Boden verbleibenden Ranken und Früchte zertreten werden.

Was will Eisenhower wirklich?

Die Unruhe und Nervosität der Öffentlichkeit wegen der Ereignisse um Formosa sind hervorgerufen durch unvollständige oder unrichtig wiedergegebene Meldungen, aus denen übereilte Schlüsse gezogen worden sind.

ZEITSPIEGEL

Zu der Nachricht, daß in einem Schweizer Verlag ein Buch zur Glorifizierung des ehemaligen Vorsitzenden des ehemaligen Volksgerichtshofes, Roland Freisler, erscheinen soll, stellt die Schweizer Zeitung Die Tat fest, daß diese Meldung von dem Sozialdemokratischen Pressedienst in Hannover lanciert worden sei, der auch auf wiederholte Anfragen, um welchen Verlag es sich handele, keine Antwort gegeben habe.

Was sonst noch geschah

Der türkische Ministerpräsident Menderes und sein Außenminister Köprülü, die zu einem viertägigen Staatsbesuch in Rom eingetroffen sind, wollen auf der Grundlage des vor wenigen Tagen unterzeichneten Abkommens über die in der Türkei eingefrorenen italienischen Kredite von 30 Millionen Dollar die weitere Ausgestaltung der handelspolitischen Beziehungen und die Vorbereitung eines Handelsvertrages erörtern.

Eugen Gerstenmaier

Als ihm der Bundeskanzler das Amt des Bundestagspräsidenten anbot, lehnte Gerstenmaier zuerst ab. Tat er es, weil ihn sein politischer Ehrgeiz in eine andere Richtung drängte, wie man sich erzählte? Scheute er den sich aufdrängenden Vergleich mit der souveränen Geschäftsführung seines Vorgängers, der mit seiner Schlagfertigkeit, seinem immer paraten Witz, seinen knappen, treffenden Formulierungen ein Vorbild geschaffen hat, das auch jeder andere, den die CDU vorgeschlagen hätte, nicht erreicht haben würde? Oder fühlte Gerstenmaier, das es einem so leicht erregbaren Manne wie ihm schwer werden mußte, sein Temperament zu zähmen, wie es dieses hohe, der Parteinahme entrückte Amt verlangt? Wer ihn gesehen hat, wie er manchmal die Zügel der Mäßigung verlor: mit rotem Kopf, energisch gestikulierend, den scharfen, funkelnden Blick hinter den Brillengläsern kampflustig auf den Gegner gerichtet, hingerissen von der Sucht, zu treffen – der kann verstehen, daß es diese Kampfnatur nicht leicht über sich bringen wird, die Arena zu meiden, wenn es um eine Sache geht, an der sein Herz hängt.

Demontage des NWDR

In der Ablösung des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Verband des Nordwestdeutschen Rundfunks, die mit dem 1. Februar in Kraft tritt, sieht die Öffentlichkeit mit Recht weniger einen organisatorischen als einen politischen Vorgang.

FRIEDRICH SIEBURG: Paris will kein Patient sein

Die Anziehungskraft der Stadt Paris ist eine mächtige Waffe im Kampf, den Frankreich um seine Geltung führt. Die Geduld, die man seiner Politik entgegenbringt, die Nachsicht, mit der man seinen Launen begegnet, die Schwäche, die alle Welt für dies übelnehmerische und verwöhnte Volk hegt, das alles ist mit dem Wort „Paris“ schon halb erklärt.

Schörner und Paulus

Warum schickt Moskau gerade jetzt den General Schörner nach Deutschland, und warum hält es ihn nicht wie Paulus, den Oberbefehlshaber von Stalingrad, als seinen Quasi-Gefangenen in der Sowjetzone? Man hat nicht gehört, daß der Kreml seine Meinung über die hitlerschen Generale, die er allesamt als Kriegsverbrecher verurteilt, geändert hätte.

Der kluge Kopf

Niedersachsens Wahlkampf für die Landtagsneuwahlen am 24. April begann mit einem Paukenschlag, der über die Landesgrenzen hinaus ein Echo gefunden hat.

Gérard de Nerval

An einem Morgen Ende Januar 1855 fanden Freunde den Dichter Gérard de Nerval, der seinem 50jährigen Leben in einer Pariser Seiten? gasse der Seine selbst ein Ende gemacht hatte.

Schillers Aktualität

Der Heuchler, Octavio Piccolomini, was wollte er? Selbst zum Fürsten werden, dem kometenhaft in den Raum aufsprühenden Wallenstein den Titel nehmen? Er hat es vielleicht nicht wach gewollt, aber in allen Fasern gefühlt, Sekurität gesucht, den sicheren Weg, den geordneten, den durch Grünspan gewährleisteten.

Paragraph 184

Mehrfach sind in den letzten Monaten Bücher angesehener deutscher Verlage als „unzüchtige Schriften“ im Sinne des § 184 des Straf gesetzbuches beschlagnahmt worden.

Die Maus

Der alte Neger hat keine unmittelbaren Beziehungen zu dieser Geschichte, aber er war der Ausgangspunkt, deshalb darf ich ihn nicht übergehen.

Sardische Plastik

Hirten, Bauern, Jäger, Krieger und ihre Häuptlinge, die sich wohl als Stammesfürsten, vielleicht sogar als Könige fühlten, nach unserem Maße aber doch nicht mehr als Oberschulzen einer Gemeinschaft mehrerer Dörfer waren, möglicherweise darüber hinaus auch priesterliche Funktionen hatten; dazu die Tiere, mit denen sie verbunden waren, Hunde, Stiere, auch Hirsche, daneben Opferschwerter und Darstellungen der mit Tieremblemen reich geschmückten Schiffe, mit denen dieses Volk das Meer befuhr: das sind die Themen der Kleinbronzen sardischer Herkunft aus dem 10.

Wenn Ärzte erzählen

Die Selbstbiographie dieses Chirurgen, der 1938 aus rassischen Gründen nach Übersee auswanderte, ist im Stile der Sauerbruchsehen Memoiren geschrieben.

Niemals sind die Grazien einsam

Friedrich Georg Jünger hat seit mindestens zwei Jahrzehnten in unserer Lyrik seinen festen Platz. Er ist einer der großen Konservativen, der unterm Nationalsozialismus in klassizistisch-verschlüsselter Sprache eine aufrechte Gesinnung zeigte und der heute, nach dem Kriege, sich jenseits von Avantgarde und Wortexperiment aufhält, jenseits aber auch von aller offenbaren Krise und Gefährdung der lyrischen Aussage.

Im Brennpunkt des Gesprächs:: Wer wird die Scheunen füllen?

Von einer Besichtigungsfahrt, die in das Gebiet der neuen Zuidersee-Polder führte, bezeichnen deutsche Teilnehmer als eines ihrer eindrucksvollsten Erlebnisse das Zusammentreffen mit einem Landarbeiter, der sich in vier Sprachen gewandt auszudrücken verstand, freimütig jede gewünschte Auskunft gab, und schließlich erklärte: es gäbe nichts Besseres, als hier Bauer zu sein.

Ein Aufschrei gegen Gewalt

Und er antwortet: „Ich glaube, nichts wird aus ihnen: Ich glaube, nichts geschieht mit ihnen; ich glaube, das Nichts wird aus ihnen.

Ein israelischer Dichter

Auf Veranlassung von Max Brod, Mitverfasser eines Schauspiels Shin Shaloms, ist es ermöglicht worden, Shaloms Prosawerk „Galiläisches Tagebuch“ in deutscher Übersetzung erscheinen zu lassen, die Anna Nußbaum besorgt hat.

Butterfly – heute

Die Liebe im Roman – noch gegenwärtig bei Hamsun, voll sachlicher Romantik noch bei Hemingway – scheint tot zu sein. Was noch nicht besagen will, daß sie in unserem Zusammenleben verlorengegangen ist.

Ostpreußen: Deutsche Schulen

Zum erstenmal seit Kriegsende scheinen im südlichen Ostpreußen, das von den Polen verwaltet wird, wie in Pommern und Schlesien deutschsprachige Schulen zugelassen zu werden.

Bayern: Ministergüte

Fünf Wochen Gefängnis statt sechs Monate hat der Oberbürgermeister von Rosenheim, Hermann Überreiter, bis jetzt für den von ihm am 29.

Hessen: Eigentumsschutz

Mit der Entscheidung über den Fall Lippmann ist nichts zur Anerkennung der Sowjetzonenrepublik oder der dort herrschenden Rechtssystems gesagt, auch wenn es problematisch ist, das Eigentum an Geldern zu schützen, die zur Agitation gegen die Bundesrepublik bestimmt waren“, so Landgerichtsdirektor Dr.

Niedersachsen: Willkommen in Oldenburg

Da bin ich in Oldenburg, mein lieber Freund! Wo liegt das Ding, wirst Du fragen? Es ist ein Nest in Westfalen. Nun, ich bin hier in der Skythischen Wüste, wohne in einem Schweinestall, den sie Wirtshaus nennen, mitten unter Schweinen und Breifressern.

Berlin: Wasserfloh im Währungsnetz

Das Ostberliner Stadtbezirksgericht Pankow verurteilte zwei Ostberliner zu Zuchthausstrafen von drei und vier Jahren und einen dritten zu zehnmonatiger Gefängnisstrafe.

Thüringen: Export nach China

Rot-China hat bei dem volkseigenen Waggonbauwerk in Gotha sogenannte Straßenroller mit einer Tragfähigkeit bis zu 100 Tonnen bestellt.

Verspätung

Die Elektrifizierung einiger Bundesbahnstrecken im Ruhrgebiet verläuft wie erwartet: eine rspätung jagt die andere, ein Jahrestermin wird f den nächsten verschoben.

Gedämpfter Optimismus in Genf

Nachdem vor acht Wochen das brillante Feuerwerk schöner Reden über den Welthandel von morgen aus „verantwortlichen Mündern“ in Genf verschossen worden war, wurde es um die GATT-Konferenz ruhig.

Mitbestimmung: zwei Gesetze - zwei Welten

Die Reusch-Bemerkung zur Mitbestimmung, genauer zu dem Mitbestimmungs-Sondergesetz für Kohlenbergbau und eisenschaffende Industrie, und die darauf erfolgten Aktionen der Gewerkhaften haben eine Reihe diffiziler Fragen aufgeworfen, auch die nach der Substanz dieses Gesetzes.

Echtes Dilemma

Im Dezember 1951 hat das Land Bayern, auf Betreiben des rührigen Staatssekretärs Ringelmann vom Münchner Finanzministerium, eine Minderheitsbeteiligung an der Maxhütte AG.

Raumordnung tut not

Der Landbedarf der öffentlichen Hand für Verteidigung und Verkehr sowie Stadt- und Industrieerweiterungen beanspruchen in ständig steigendem Maße land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche.

Übereifer schadet immer

Die hinter uns liegende Jahreswende, die zahlreiche Industriewerke zur Herausgabe Verstärker Werkszeitschriften veranlaßt hatte, wirft die Frage auf, ob die Werkszeitschrift ihr eigentliches Aufgabengebiet nicht zu verlassen beginnt und sich in ihrer Publizistik auf Gebiete erstreckt, die ihr nicht so ohne weiteres zustehen dürften.

London: Kein Vorbild

Die Bank von England hat den Diskontsatz von 3 auf 3 1/2 v. H. erhöht. Mit dieser Maßnahme hat man bereits seit einiger Zeit gerechnet.

Zur Kasse, bitte!

Zum Januarultimo hatten kinderreiche Eltern die Chance, erstmalig das gesetzliche Kindergeld ausgezahlt zu erhalten – vorausgesetzt eben, daß sie zum Kreis derjenigen gehören, die das Gesetz (vom dritten Kind an) privilegiert.

Die Hütte am Wasser

Bremen könne nicht auf einem Bein stehen, sondern müsse neben der Schiffahrt und dem Handel auch eine leistungsfähige Industrie haben.

Dunlop startet „Tubeless“

Als der wichtigste automobiltechnische Fortschritt dieses Jahres muß in Deutschland die Aufnahme der Serienproduktion schlauchloser Reifen bezeichnet werden, nachdem in dieser Hinsicht bisher Amerika führend war.

Eulen nach Athen tragen

Wenn ein deutsches Modenhaus, Henri Varell (Heinz Schulze-Varell aus München), kurz bevor die großen französischen Häuser ihre Kollektionen zeigen, im Zentrum der Pariser Haute-Couture in den Salonräumen des Hotels George V.

SPORT DER ZEIT: Das bringt noch was ein

Man wird sich gewiß noch der zahlreichen unliebsamen Affären erinnern, in deren Mittelpunkt der frühere Deutsche Mittelgewichtsmeister Peter Müller gestanden hat, der wiederholt wegen grober Verfehlungen gegen die boxsportlichen Regeln gemaßregelt werden mußte, und schließlich nach einem wohlgezielten Hieb, mit dem er ausgerechnet den Ringrichter statt seinen Gegner k.

Grimmig ernster Stoff in Karikaturen

Glück muß der Mensch haben. Und Fortuna, die Launenhafte, hatte ein besonders freundliches Lächeln für den ungarischen Zeichner John Halas, der vor dem Kriege nach England gekommen war und dort neben der englischen Staatsangehörigkeit eine englische Frau – die Zeichnerin Joy Batchelor – „erworben“ hatte.

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