Die Bank von England hat den Diskontsatz von 3 auf 3 1/2 v. H. erhöht. Mit dieser Maßnahme hat man bereits seit einiger Zeit gerechnet. Die englische Zahlungsbilanz ist wieder passiv; die innere Konjunktur hat sich in Großbritannien so erhitzt, daß das Land in die Gefahr gerät, über seine Verhältnisse zu leben. Mit der Diskonterhöhung hat die Bank von England ein Warnsignal aufgezogen, das über den Pfund-Bereich hinaus beachtet werden muß, weil bei der Weltbedeutung des Pfundes jede kreditpolitische Maßnahme weit in den internationalen Zahlungsverkehr ausstrahlt.

Das allerdings besagt noch nicht, daß die Bank deutscher Länder sich dem Vorgehen der Bank von England anschließen wird. In ihrem Dezember-Monatsbericht hat die BdL darauf hingewiesen, daß sich bei uns eine Überhitzung nur partiell (und verursacht übrigens vorwiegend durch steuerliche Terminerwägungen) gezeigt habe. Es wird daher im Hause an der Taunusanlage auch von der Notwendigkeit gesprochen, solche Erscheinungen mit partiell wirkenden Mitteln zu bekämpfen. Hierbei denkt man offenbar vor allem an eine konjunkturbewußte Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand. Bei der enormen Bedeutung öffentlicher Investitionen und des mit öffentlichen Mitteln bewirkten Verbrauchs kann eine zielsichere Ausgabenpolitik des Fiskus zweifellos manche Übertreibung, die in den letzten Wochen sichtbar geworden ist, abschwächen. Der Zentralbankrat hat jedenfalls auf seiner letzten Sitzung die Lage eingehend geprüft, ohne sich zu kreditpolitischen Maßnahmen zu entschließen. Es spricht vieles dafür, daß er sich vorerst weiterhin darauf beschränkt, die weitere Entwicklung sorgfältig zu beobachten und das (zur Zeit freilich nicht sehr reichhaltige) kreditpolitische Instrumentarium parat zu halten. lb.