Friedrich Georg Jünger hat seit mindestens zwei Jahrzehnten in unserer Lyrik seinen festen Platz. Er ist einer der großen Konservativen, der unterm Nationalsozialismus in klassizistisch-verschlüsselter Sprache eine aufrechte Gesinnung zeigte und der heute, nach dem Kriege, sich jenseits von Avantgarde und Wortexperiment aufhält, jenseits aber auch von aller offenbaren Krise und Gefährdung der lyrischen Aussage. Jünger scheint unbehelligt. Der kürzlich herausgekommene neue Versband

„Ring der Jahre“ (Vittorio Klostermann, Frankfurt/Main, 1954, 174 S., 12,50 DM), bringt nichts Neues, faßt vielmehr die inzwischen vergriffenen Büchlein „Die Silberdistelklause“, „Das Weinberghaus“ und „Die Perlenschnur“ aus den Jahren 1946/47 zusammen.

Es wird also für manchen ein Wiederlesen sein und ein Wiederprüfen bedeuten. Der trochäenfreudige Jünger hat sich in den Gedichtzyklen seines Buches keinen Zwang auferlegt. Er ließ gleichsam den Rhythmus für sich dichten. Seine Absicht war, den Nuancenreichtum des achtsilbigen Trochaeus virtuos auszukosten. Das ist ihm gelungen. Freilich: die auftretende Monotonie ist nicht zu leugnen. Man kann nicht über Dutzende von Gedichten jene geistige Heiterkeit, Zärtlichkeit des Intellekts, spielerische Einfachheit durchhalten, ohne erheblich zu ermüden. Da der Vokabulare Reiz der einzelnen Stücke auch nicht groß ist und die Metapher überaus spröde gehandhabt wird, bleibt eigentlich nicht mehr im Ohr als Erinnerungen, Echo-Wirkungen des Goethe’schen Divan-Tones.

Was Jünger mit seiner Trochäenflut beabsichtigt, spricht er mit einiger Unermüdlichkeit aus. Er will die Sprache schmeidigen, zierlich und heiter machen („heiter“ ist geradezu von leitmotivischer Bedeutung für den Autor). „Silbernes Gelächter hab’ ich / Unsichtbar hineingewoben“ in seine Kunst, „Alles metrisch zu bewegen“. Und er ruft seiner Muse zu: „Auf drum! In des Lichts Geschirren / Regt euch, fröhliche Trochäen.“ An anderer Stelle findet er das schöne Gleichnis:

„Wie sich rosige Flamingos

von den Meeresküsten heben,

laß ich in die heitren Lüfte