Dem Wochenberichtüber die Weltrohstoffmärktte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Weltmarktpreisentwicklung stand während der Berichtswoche sehr stark unter dem Einfluß der angespannten politischen Verhältnisse um Formosa. Die hiervon ausgehende Preisfestigung wirkte sich nicht nur auf die typischen südostasiatischen Erzeugnisse aus, sondern erfaßte darüber hinaus fast sämtliche hier notierten Welthandelsgüter. Neben dieser durch politische Einflüsse verursachten Festigung führte besonders bei Kupfer und Kakao eine sich verschärfende Knappheitssituation zum Anziehen der Preise. Die seit Wochen bestehende Festigungstendenz auf dem Frachtenmarkt nimmt auf die Preisbildung in verstärktem Maße Einfluß und zeigt gleichzeitig, daß die einzelnen Weltwarenmärkte eine Belebung erfahren haben. Sollte die Intensivierung der Geschäftstätigkeit anhalten, so ist mit einem erneuten Ansteigen des Welthandelsvolumens zu rechnen.

Einen Überblick über die Preisentwicklung In der Woche vom 24. bis 28. Januar vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 17 die Tendenz leicht gestiegen bis stark gestiegen und bei 2 leicht schwächer. Die Preise von 4 der notierten Waren, nämlich Aluminium, Blei, Zink und Jute, waren konstant.

Getrede: Während der Berichtswoche festigten sich alle Getreidenotierungen. Besonders stark war der Preisanstieg bei Gerste in Winnipeg, der durch US-amerikanische Käufe ausgelöst wurde. Bei Mais belebte sich das Ausfuhrgeschäft als Reaktion auf das argentinische Mais-Ausfuhrverbot, das zur Sicherung der inländischen Futtermittelversorgung erlassen wurde, ohne jedoch bisher einen starken Preisanstieg hervorzurufen. Da sich auch durch die Dürre die Ernteaussichten in Argentinien verschlechtert haben, ist zu vermuten, daß Argentinien für eine gewisse Zeit als Maislieferant ausfallen wird.

Kupfer: In den USA stieg der Weltexportpreis auf 36 bis 38 c/lb, und der Inlandpreis wurde um 3 c/lb heraufgesetzt. Auf Grund dieser Preisheraufsetzung dürfte Chile, das durch seine Ankündigung, Kupfer nach London wegen des dort wesentlich höheren Preisniveaus umzuleiten, wieder mehr Interesse am amerikanischen Markt erlangen. In London erreichte Kassa-Kupfer mit 315 £/lgt einen neuen Höchstpreis seit Wiedereröffnung des Terminmarktes. Eine vorübergehende Neigung zu Gewinnmitnahmen beeinflußte die Grundtendenz kaum. Preisstützende Faktoren waren die politischen Ereignisse um Formosa sowie der Produktionsausfall durch die nordrhodesischen Streiks, der auf etwa 25 000 bis 26 000 lgt veranschlagt wird. – Nach einer Erklärung der Produktionsgesellschaften der Rhodesian Selection Trust-Gruppe, der Roan Antelop and Mufulira-Gesellschaften, werden diese beiden Gesellschaften zusammen mit der British Non-Ferrous-Metals Federation weiterhin die Frage prüfen, ob es möglich ist, für Kupfer, das von diesen beiden Bergwerken nach Großbritannien importiert wird, zu einer anderen Preisbasis zu kommen. Im Gegensatz hierzu steht die von den Rhokana und Nchanga Mines, die zur Anglo-American-Gruppe gehören, betriebene Politik, die nicht von dem Preis der Londoner NE-Metallbörse als Grundlage für ihre Verkäufe abgehen wollen.

Zinn: Dieses Metall, das in der Hauptsache aus Südostasien stammt, war besonders stark von der Entwicklung im Fernen Osten beeinflußt. – In dem Haushalts-Voranschlag der USA für das Fiskaljahr 1956/57 sind keine Mittel für den Weiterbetrieb der Zinnhütte in Texas City vorgesehen. Der US-amerikanische Kongreß soll sich gegenwärtig mit der Frage des Weiterbetriebs dieser Zinnhütte befassen. Das Untersuchungsergebnis wird Mitte März erwartet. Außerdem weisen New Yorker Fachkreise darauf hin, Präsident Eisenhower habe erklärt, daß die Zinnkäufe für die strategische Reserve als abgeschlossen angesehen werden können.