O., La Paz, Ende Januar

Die bolivianische Regierung plant, in New York eine staatliche Einkaufsagentur zu eröffnen, durch die sämtliche Einkäufe für die Corporacion Minera de Bolivia, die Corporacion Boliviana de Fomento, die Yacimientos Petrolíferos Fiscales Bolivianos und den Banco Minero de Bolivia getätigt werden sollen. Die Idee dieser Agentur stammt von dem linksradikalen Minister Mario Torres Calleja (Minister für Bergbau und Petroleum.)

Zweck der Agentur soll es sein, den privaten Handel und die privaten Vertreterfirmen auszuschalten, was durchaus in der Linie der Regierungspolitik liegt, die leider gegen die Privatwirtschaft eingestellt ist. Im Grunde handelt es sich jedoch darum, daß die Bürokraten, die mit dem Einkauf beauftragt werden – und es handelt sich durchweg um große Objekte –, die Gewinne haben wollen, die bisher der Privathandel hatte ...

Die genannten staatlichen Organisationen verbrauchen den Löwenanteil an den für Importzwecke zur Verfügung stehenden Devisen (neben dem Wirtschaftsministerium, das der größte Verbraucher ist). Insofern dürfte die staatliche Einkaufsorganisation in New York eine erstrangige Bedeutung haben. Das heißt aber, daß der laufende große Bedarf der Mammutorganisation der Corporacion Minera, der Petroleumgesellschaft, die in ständigem Wachsen begriffen ist, und der beiden weiteren Organisationen an Maschinen und Geräten unter Ausschaltung der europäischen Märkte in New York gedeckt werden wird.

Obgleich Deutschland im vergangenen Jahr für rund zwei Mill. $ Waren nach Bolivien exportierte, befindet es sich in Bolivien in einer schwachen Lage, da es als Abnehmer bolivianischer Produkte praktisch nicht in Erscheinung tritt, wenn es auch indirekter Verbraucher bolivianischen Zinnes und anderer bolivianischer Metalle ist, die die Bundesrepublik über England importiert.