Über das Verhältnis der Wissenschaft zum Staate gebrauchte der große Theologe Adolf von Harnack einmal vor den Vertretern der Ministerien das folgende schöne Bild eines altchristlichen Schriftstellers:

„An einer Ulme rankt sich eine Rebe hinauf, und nun hängt die Fülle der Trauben von dem an sich unfruchtbaren Baum herab, während die am Boden verbleibenden Ranken und Früchte zertreten werden. Auf die Frage an den Engel, wessen die Trauben seien, lautet die Antwort: Der Ulme!“

Von der in diesem Gleichnis enthaltenen These hat der Staat seither einen so reichlichen Gebrauch gemacht, daß unlängst ein Vertreter der Staatlichkeit selbst – es war der Kultusminister Werner Schütz – vor den gelehrten Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft für Forschung im Lande Nordrhein-Westfalen, nachdem die Rede auf das uns von Adolf von Harnack überlieferte Bild gekommen war, sagte: „... auf die Frage an den Engel, wessen die Trauben seien, lautet die Antwort: Der Rebe.“