Bücher, von Ärzten geschrieben, haben einen besonderen Reiz; denn kaum ein anderer Berufsstand wie der Arzt begegnet dem Menschlichen in all seinen Varianten so intensiv.

Paul Rosenstein: Narben bleiben zurück. Kindler und Schiermeyer-Verlag, 315 Seiten. 16,80 DM.

Die Selbstbiographie dieses Chirurgen, der 1938 aus rassischen Gründen nach Übersee auswanderte, ist im Stile der Sauerbruchsehen Memoiren geschrieben. Das Vordergründige, gut Über- und Durchschaubare wird in souveräner Form mit erzählerischem Talent dargestellt. Das innere Werden und Wachsen des Menschen Rosenstein ist nach dieser Darstellung – allerdings mit dem 25. Lebensjahr zu Ende.

Karl Stern: Die Feuerwolke, Otto Müller-Verlag, Salzburg, 315 Seiten, 11,40 DM.

In sublimere Tiefen dringt der Lebensroman dieses Psychiaters, der das äußere Schicksal des Juden Rosenstein teilen mußte! Auch hier ist die Begegnung mit Menschen Patienten, Kollegen, Freunden und Feinden –, sind die Erlebnisse des Arztes Stern zum Stoff des Buches geworden. Der Verfasser aber hat sich von all dem ergreifen lassen, hat sich dem Strudel geistiger und politischer Auseinandersetzung der zwanziger und dreißiger Jahre gestellt, ist geprägt und umgeprägt worden. Er hat das geistige Dilemma Europas, durchlebt und für sich selbst einen Ausweg gefunden. Kein Wunder also, daß diese Biographie ein Konversionsbuch wurde. Verständlich auch, daß dieser Mann seihst konvertierte: vom Materialismus zur Anerkennung des Geistigen, vom orthodoxen Juden zum Katholiken vom Kämnfer zum Liebenden.

Von Roques: Alte Heilweisen – neu entdeckt, Mundus-Verlag, Stuttgart, 243 Seiten, ca. 10,– DM.

Der Verfechter der Neuralpathologie, jener Medizintheorie, die dem Nervensystem eine überragende Bedeutung für die Funktionsweise des Organismus beimißt, hat in diesem Buch eine interessante Darstellung einer Reihe von alten Heilweisen gegeben: Akupunktur, Chiropraktik, Schröpfkopf, Wasseranwendungen. Mit dem grimmigen Humor eines alten Praktikers versteht er es, dem Leser den Sinn dieser Heilweisen klarzumachen. Mit seinen Urteilen über die Schulmedizin schießt er dabei manchmal ein wenig zu temperamentvoll über das Ziel hinaus.