m. z., Oldenburg

Da bin ich in Oldenburg, mein lieber Freund! Wo liegt das Ding, wirst Du fragen? Es ist ein Nest in Westfalen. Nun, ich bin hier in der Skythischen Wüste, wohne in einem Schweinestall, den sie Wirtshaus nennen, mitten unter Schweinen und Breifressern...“ Wenn der Brabanter Gelehrte Lisius, der diesen Brief im 17. Jahrhundert an einen Freund in Leyden schrieb, heute in Oldenburg ankäme, könnte er weder so ahnungslos noch so boshaft sein, denn die Stadt – die auch im 17. Jahrhundert lange nicht so garstig war, wie jener Gelehrte es meinte – hat sich nicht nur gewaltig verändert, sie klärt auch jeden neuen Bürger gleich bei der Ankunft genau über sich auf.

Seit dem 9. Januar nämlich läßt Oldenburg jedem, der sich auf dem Einwohneramt meldet, als Willkommensgruß ein hundertzwei Seiten starkes Heft „Wo, wer, was“ überreichen, in dem alles Wissenswerte über die Stadt und ihre Einrichtungen verzeichnet steht. Da ist eine Liste aller Behörden, Schulen, Kirchen, Ämter, Sportplätze, Gesangvereine ... da sind gute Ratschläge, wie man sich in Oldenburg wohl fühlen kann, ein Abriß der Stadtgeschichte, Beschreibung der Sehenswürdigkeiten. Kurz, nach der Lektüre dieses freundlichen und praktischen Wegweisers bekommt man – trotz der Versicherung des Oberstadtdirektors, man müsse „wie überall, so auch in Oldenburg, sein Leben selber schmieden“ – Lust, nach Oldenburg zu ziehen. Vorausgesetzt, daß die Wirklichkeit dort ebenso freundlich ist, wie es das Heft verheißt.