dd., Koblenz

Das Phonmeßgerät – von der Polizei häufig angewandt, um die Lautstärke von Auspufftöpfen der Motorräder zu kontrollieren, setzt sich nicht nur zur Messung von Beifallsstürmen bei Jam-Sessions durch, sondern neuerdings sogar im rheinischen Karneval. Es erzieht die Narren zur Verdrängung des Humors durch Radau

Wer einen Beifallsorkan von 100 Phon erzeugt, gilt als vollendeter Karnevalist. Ein Motorrad, das so viel Lärm macht, wird unweigerlich aus dem Verkehr gezogen. Die in Koblenz erscheinende Rhein-Zeitung weiß zu berichten, daß der „Jungkarnevalist“ Willi Höxter mit seinem Vortrag 100 Phon erzeugte, während ein Abgesandter der „Narrenzunft“ bei der gleichen Prunksitzung des betreffenden Karnevalsvereins mit seiner Büttenrede 99 Phon Beifall erntete und damit Zweitbester wurde. Dagegen spendete das Publikum einem Redner, der das abgenutzt Thema der fliegenden Untertassen anschnitt, nur 87 Phon. Die in dieser Karnevalszeit unvermeidliche Büttenrede über die Wehrpflicht lag bei der Koblenzer Pranksitzung mit 96 Phon weit über der zulässigen Lärmgrenze einer im ersten Gang im Hochtouren gebrachten schweren Rennmaschine.

Die Technisierung des Karnevals macht rasende Fortschritte; in der Nähe der närrischen Versammlungslokale stehen Polizeikommandos bereit, die mittels eines modernen „Hauchgerätes“ den jeweiligen Blutalkoholspiegel (die sogenannten Promille) motorisierter Karnevalisten sehr schnell feststellen können.