Von Hans Egon GerJach

Sie ist schön, die Stadt, auch am Tage. Ihre Schönheit ist so berühmt wie ihre Geschichte. Es ist eine barocke Geschichte, sichtbar als Schönheit. Besonders berühmt ist der Blick von einer der Höhen, die sich am Rande der Stadt erheben, und herrlicher als am Tage ist er bei Nacht. Wie jetzt, in dieser Stunde, hier von der Höhe und bei Nacht. Du hast dir deinen Ort gut gewählt, um Abschied zu nehmen.

„Abschied?Ich nehme nicht Abschied. Ich gehe einfach fort. Das ist ganz etwas anderes.“

So, du gehst fort. Das ist freilich etwas anderes. Aber – einfach, sagst du? Jedenfalls, du gehst.

„Ja, heute, noch in dieser Nacht. Und während ich noch an dieser Stelle stehe, wie gestern und vorgestern, bin ich schon nicht mehr hier, wie ich all die Jahre hier war, klebend am zähen Schlamm dieser Stadt und ihrer gelogenen Gegenwart, meiner unwahren Gegenwart in ihr. Ich bin nicht mehr hier, denn ich bin im Aufbruch. Ich breche auf – verstehst du das? Das ist eine große Empfindung. Deshalb ist diese Nacht meine Nacht, und eine herrliche Nacht.“

Ja, es ist eine wunderbare Nacht, wunderbar schwankend zwischen Glanz und Verzweiflung.

Und auch diese Stadt – schau sie dir noch einmal an, ehe du fortgehst.