x. y., Köslin-Kolberg

Nach sowjetischem Beispiel schickt jetzt auch Warschau Industriearbeiter, Angestellte und technische Spezialisten auf das flache Land. Die Anstrengungen konzentrieren sich zur Zeit auf die polnisch verwalteten deutschen Ostprovinzen, besonders auf Pommern. In der Provinzhauptstadt Köslin und Kolberg trafen im Januar 1955 mehrere Gruppen von bis jetzt in Städten beschäftigten Arbeitern und Fachleuten ein. Sie kommen aus Lodz, Thorn, Bromberg und Posen und wurden unter dem Motto vom „Einsatz an der Brachland-Front“ in Marsch gesetzt.

Bevor die Frühjahrsarbeiten beginnen, sollen die Kolchosen und Maschinenausleihstationen im Bezirk Köslin-Kolberg instand gesetzt werden. Das technische Personal soll in diesen Einrichtungen um 20 v. H. vergrößert werden. Nach polnischen Angaben sind in diesem Gebiet an die 400 Traktoren und andere landwirtschaftliche Fahrzeuge zu reparieren. Im Höchstfall seien bisher nur zwei Drittel des Maschinen- und Fahrzeugparks einsatzbereit gewesen. Man will im kommenden Frühjahr vor allem den brachliegenden Äckern zu Leibe gehen.

Gleichzeitig aber erfolgen in der Provinz Köslin außerplanmäßige Einberufungen jur.ger Deutscher und Polen. Während nur solche Polen rekrutiert werden, die in der privaten Landwirtschaft tätig sind, schreiben die Wehrbezirkskommandos auch Gestellungsbefehle für Deutsche aus, die auf den Kolchosen arbeiten, womit die Leistung dieser Betriebe empfindlich gehindert wird. Die überraschenden Rekrutierungen scheinen politische Gründe zu haben, die sich mit der Landwirtschafts-Aktivierung überschneiden. Die Einberufungen von „Kulaken-Söhnen“ deuten auf eine neue Kollektivierungswelle, während die Rekrutierungen Deutscher eine forcierte Polonisierung möglich erscheinen lassen.