Die deutschen Turner wurden kürzlich durch Äußerungen eines Ministerialbeamten des Bundesinnenministeriums in Bonn in böse Erregung versetzt. Ausgerechnet der Sachbearbeiter für den deutschen Jugendplan, Dr. Heiner Lades, machte in dem Fachblatt des Deutschen Bundesjugendringes „Deutsche Jugend“ abfällige Bemerkungen über den Turnvater Jahn, die von allen Turnern als persönliche Beleidigungen empfunden werden.

Ministerialreferent Lades schreibt zur Typisierung von Jugendleitern, „wie wir sie nicht haben wollen“, unter dem Stichwort „Der Lungenspezialist“: „Er hat eine kräftige Stimme und hört sie gern tönen, besonders, wenn er von Gott, Freiheit und Vaterland spricht. Über seinem Bett hängt ein Bild vom Turnvater Jahn ...“ Es ist erstaunlich, daß diese Worte gerade in einer Zeitschrift veröffentlicht wurden, deren Hauptaufgabe es doch ist, die Jugend aller Richtungen zusammenzuführen und nicht gegeneinander aufzubringen. Im Sinne Jahns zu leben und zu handeln, hat schließlich wiederholt der Ehrenvorsitzende des DTB, Bundespräsident Dr. Heuss, als eine der wichtigsten Aufgaben unserer Jugend bezeichnet.

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Seinen hundertsten Geburtstag konnte der nun in Hamburg beheimatete ostpreußische Segelklub Rhe am vergangenen Montag feiern. Obwohl er in Königsberg alles verlor, hat der berühmte Klub, der neben einigen wenigen Rudervereinen zu den ältesten deutschen Sportgemeinschaften gehört, viele seiner alten Mitglieder und viele neue in seinen Reihen vereinigt. Zweihundert Mitglieder hat er heute schon wieder und auch fünf klubeigene Boote. Der 7. Februar 1855, an dem der Königsberger Primaner Ernst Burow mit acht gleichaltrigen Kameraden den Klub ins Leben rief, ist gleichzeitig die Geburtsstunde des deutschen Sportsegeins überhaupt. Wie bescheiden man seinerzeit war, geht am besten aus Paragraph 1 der Satzungen hervor, der also lautete: „Der Zweck der Verbindung ist, im Sommer amüsante Segelpartien zu befördern, während im Winter die Erinnerung an dieselben durch Versammlungen und eine Zeitung aufgefrischt und die Erwartung auf den folgenden Sommer angeregtwerden soll.“ Daß aus den „amüsanten Segelpartien von einst“ im Laufe der Jahrzehnte ein in aller Welt anerkannter und sehr erfolgreicher deutscher Segelsport wurde, ist hauptsächlich mit auf das Wirken der Königsberger Sportsegler zurückzuführen. Vor hundert Jahren sich zu einem Sportklub zusammenzufinden, war etwas sehr Außergewöhnliches, und so ist es durchaus verständlich, daß sich die gleichgesinnten Freunde bei ihrer Gründungsversammlung ausdrücklich verpflichteten, „unverbrüchliches Schweigen“ darüber zu bewahren, um etwaige Unannehmlichkeiten zu vermeiden. „Wo aber die häuslichen Verhältnisse es notwendig erfordern, soll niemand durch obiges zum Lügen gezwungen werden.“ Bemerkenswert ist, daß die vor hundert Jahren von Schülern geschaffenen Satzungen so gut durchdacht und in ihrer sportlichen wie menschlichen Haltung so einwandfrei waren, daß sie im wesentlichen bis heute ihre Gültigkeit bewahren konnten. W. F. K.