Budapest, im Februar

Er sagt, daß er seine Maschine genau so liebe wie seine Frau“, übersetzte Fräulein Kosticz vom Presseamt des ungarischen Außenministeriums. Er, das war ein Vierzigjähriger namens Janos Muszka, mit groben Händen, einem langweiligen Gesicht und lückenhaften Zähnen. Er war ein Stachanowist, wohnte in einem Einfamilienhaus, hatte einen Garten, mit einem Schwein darinnen, achtzehn Hühnern und einer Badewanne unter dem Apfelbaum. Dieses Haus stand in Csepel, dem Industriezentrum von Budapest.

Fräulein Kosticz kümmert sich um die ausländischen Journalisten, die es schaffen, ein Einreisevisum nach Ungarn zu bekommen. Sie hat in Moskau eine Parteischule besucht.

Nun saß ich also in Csepel, und nach dem ersten Glas Wein aus Herrn Muszkas Keller führte er mich vor den Kleiderschrank im Schlafzimmer. Er lolte den guten Anzug hervor. 26 Orden und Medaillen habe ich gezählt, darunter drei, die ihm von der „Deutschen Demokratischen Republik“ verliehen wurden.

„Wofür denn?“ wollte ich wissen. Fräulein Kosticz übersetzte, aber der Stachanowist Muszka vinkte ab. „Darüber darf er nicht sprechen.“

So erfuhr ich nur, daß sein Vater noch die Suppe auf zwei Backsteinen auf offener Straße gewärmt hatte, weil er ganz arm war und von den Reichen ausgebeutet wurde, und daß er, der Sohn, gerade gestern sein Soll um 500 Prozent übererfüllt hatte. Er ist Dreher und arbeitet in der Lkw- und Traktorenfabrik. Mit 3200 Forint im Monat geht er nach Hause. Wer kein Stachanowist ist, bringt es auf 1200. Dafür gibt es einen Anzug oder auch zweieinhalb Kilo Kaffee.

Der amtliche Wechselkurs lautet 250 Forint für 100 DM. Aber in der Wirklichkeit entsprechen 3300 Forint einem Reallohn von etwa 400 DM. Die Forint-Währung gibt es übrigens seit dem 1 August 1947. Sie wurde nach der Inflation eingeführt und löste den Pengö ab.