Dem Wochenbericht Über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A. G., dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Die Entwicklung auf den Weltrohstoffmärkten in den letzten 14 Tagen hat sehr deutlich gezeigt, daß politische Ereignisse nicht mehr derartige Wirkungen, wie sie seinerzeit während des Korea-Konfliktes zu beobachten waren, auf den Weltmarkt ausüben, da sich offensichtlich eine Konsolidierung der allgemeinen weltwirtschaftlichen Situation abzuzeichnen beginnt. Die Preisentwicklung während der Berichtswoche stand im Zeichen des Abklingens der aus den politischen Spannungen um Formosa resultierenden Preisfestigung der Vorwoche. Abgesehen von den NE-Metallen, bei denen eine echte Knappheitssituation herrscht, und bei Kautschuk, dessen Preisfestigungstendenz bereits seit längerer Zeit anhält, setzte sich in der Preisbildung der meisten anderen Warenarten, in erster Linie bei Agrarerzeugnissen, die außergewöhnlich gute Vorratslage in den Erzeugerländern durch, so daß die Nachfrageseite aus ökonomischen Überlegungen von weiteren übereilten Käufen Abstand nahm.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 31. Januar bis 4. Februar vermittelt nachstehende Tabelle:

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei sechs die Tendenz leicht gestiegen bzw. gestiegen und bei 13 leicht schwächer bzw. schwächer. Die Preise von vier der notierten Waren, nämlich Aluminium, Blei, Zink und Leinsaat, waren konstant.

Getreide: Am New Yorker Locomarkt ermäßigten sich die meisten Getreidenotierungen. Ein Anstieg war nur bei Mais und bei Gerste in Winnipeg zu verzeichnen. An der Chikagoer Getreidebörse gingen die vorderen Sichten des Mais-Terminmarktes gleichfalls zurück. Ursächlich hierfür waren erhöhte Verkäufe auf Grund der Verlautbarung des US-Landwirtschaftsministers über eine Lockerung der Anbauflächenbeschränkung. Da der Maisertrag von 1954 nicht ausreicht, um den jährlichen Bedarf zu decken, soll die Anbaufläche 1955 in den USA um 8 v. H. gegenüber dem Vorjahre erhöht werden. – Obwohl sich Mitte der Berichtswoche auf Grund großer Exportverkäufe in Weizen die Notierungen an der Chikagoer Getreidebörse gefestigt hatten, gaben sie später nach, da die Kaufseite kein Durchhaltevermögen zeigte und Gewinnmitnahmen durchgeführt wurden. Zu dem Rückgang der Notierungen hatten außerdem im Verlaufe der Woche die nachlassende Exportnachfrage sowie günstige Wettermeldungen beigetragen, die eine verstärkte Verkaufsneigung auslösten. Verkäufe wurden auch durch das Bekanntwerden der amtlichen argentinischen Ernteschätzung für das Getreidewirtschaftsjahr 1954/55 begünstigt, die bei den meisten Getreidearten höhere Erträge als im Vorjahr ausweist.

NE-Metalle: Die NE-Metallmärkte wiesen in der Berichtswoche wiederum eine steigende Tendenz auf. Hierin kommen nicht nur die von der Formosakrise ausgehenden Auftriebstendenzen zum Ausdruck, sondern auch langfristige Einflüsse wie z. B. der hohe Verbrauch im zweiten Halbjahr 1954 und die im Vergleich zu 1953 geringere Erzeugung, die durch Produktionseinschränkungen Anfang 1954 sowie durch wiederholte Streiks verursacht wurden.

Kupfer: Die Nachfrage war sehr lebhaft. Die Inlandpreise der USA wurden um 3 c heraufgesetzt. Hiervon erwartet man in den USA eine bessere Versorgung mit Kupfer aus Chile sowie ein Aufhören übermäßiger Käufe der Verarbeiter, die sich in Erwartung dieser Preiserhöhungen in verstärktem Maße eingedeckt hatten. Einige Produzenten hielten eine weitere Heraufsetzung des Inlandpreises auf Grund der knappen Versorgungslage nicht für ausgeschlossen. Auch haben sich die Kupferverarbeiter an die Verwaltung der Allgemeindienste (GSA) wegen Freigabe von Kupfer gewandt, das für die strategische Reserve bestimmt ist. Außerdem zogen Regierungsstellen in Washington eine Beschränkung der Exporte in Erwägung, und das US-Handelsministerium hat Exportlizenzen für Kupfer und Kupferschrott zurückgehalten, da die US-Ausfuhrpolitik für diese Ware gegenwärtig geprüft wird. Inzwischen wurde bekannt, daß die USA am 5. Februar den Export von reinem Kupferschrott und Kupferlegierungsmaterial mit sofortiger Wirkung kontingentiert und den Export von raffiniertem Kupfer amerikanischen Ursprungs untersagt haben. Die Ausfuhr von raffiniertem Kupfer aus ausländischem Material ist genehmigungspflichtig. Die gegenwärtig knappe Versorgungslage bei Kupfer, die durch den Streik in Nordrhodesien und den dadurch hervorgerufenen Produktionsausfall noch verstärkt wird, hat eine ihrer Ursachen in der niedrigen US-amerikanischen Bergwerksgewinnung. Gegenüber 1953 ist sie in 1954 um etwa 10 v. H. infolge der von August bis Oktober dauernden Streiks sowie der im ersten Halbjahr 1954 durchgeführten Produktionsbeschränkung zurückgegangen. Die Importe liegen etwa 25 v. H. unter denjenigen des Vorjahres. Die Hüttenvorräte von Raffinadekupfer hatten am ~~~~~~ mit 21 000 (Vorjahr 49 000 sht) das wahrscheinlich seiner Niveau dieses Jahrhunderts erreicht, – Unter dem Einfluß der rhodesischen Streiks erreichte der Kupferpreis in London während der Berichtswoche laufend neue Höchststände. Der bisherige Produktionsausfall wird auf etwa 30 000 bis 35 000 t geschätzt, dessen volle Auswirkung sich in Großbritannien wahrscheinlich erst in einigen Wochen bemerkbar machen wird. Einen weiteren Auftriebsfaktor auf dem Londoner Markt stellte die in Aussicht genommene US-Exportbeschränkung dar. Die Londoner Kassanotierung stieg am 4. Februar auf 355 £ und der Settlement-Preis auf 347 1/2 £.