Gedenken an Else Lasker-Schüler

Von Albert Arnold Scholl

Zu Beginn des Jahres der deutschen Kapitulation endete im Krankensaal dritter Klasse eines Jerusalemer Hospitals das Leben der fast siebzigjährigen Else Lasker-Schüler. Einigen ist ihr Name ins Herz gebrannt, manche kennen ihn aus dem Kolleg eines fortschrittlichen Dozenten, vielen jedoch – auch Freunden des Gedichts – blieb er unbegreiflicherweise bis heute so gut wie unbekannt.

Max Rychner schrieb vor fünf Jahren in einem Brief: „...Sie taumelte über diese Erde, weil sie von Gott geschlagen war und alle Gleichgewichte vor ihr nicht mehr stimmten. Aber damit waren auch alle Quellen ihrer Sprache angeschlagen und strömten, wild und dann wieder mit sulamithischer Siße, in einem Strom, dessen Fläche vom Innern her Bilder in die Welt spiegelte, nicht die der Welt empfing,“

Charakteristisch für Else Lasker-Schülers Lyrik ist die Perspektive, die kindliche Perspektive, unter der die Dichterin Gott und die Welt, die Menschen und die Dinge sieht. Gott ist ihr wie jemand, mit dem sie täglich zusammen ist, wie ein Bruder, dessen Gewohnheiten sie kennt und um dessen Wohl sie sich sorgt.

„Es ist ein Weinen in der Welt,

als ob der liebe Gott gestorben wäre“