Die Commonwealth-Konferenz

Die Commonwealth-Konferenz, an der unter dem Vorsitz von Churchill die Ministerpräsidenten von Indien, Australien, Neuseeland, Kanada, Pakistan, Ceylon und des Zentralafrikanischen Staatenbundes sowie der stellvertretende Ministerpräsident der Südafrikanischen Union teilnahmen, stand im Zeichen der Entwicklung im Fernen Osten. Nach eingehender Behandlung der Formosa-Frage gab der britische Ministerpräsident eine ausführliche Schilderung der Ost-West-Beziehungen und der westlichen Verteidigungsbedürfnisse in Europa, dem Nahen Osten und Südostasien. An dieser Sitzung nahmen auch die Stabschefs der britischen Streitkräfte und militärische Berater einiger Commonwealth-Regierungen teil. Der britische, Verteidigungsminister Macmillan schlug die Gründung einer aus zwei britischen Divisionen bestehenden „Feuerwehr-Armee“ vor, die zur Auslöschung kleiner Kriegsbrände in Asien, dem Mittleren Osten oder Afrika zur Verfügung stehen sollen. Diese Armee müsse von Transportflugzeugen sofort an jeden Gefahrenherd befördert werden und zur Abwehr von kommunistischen Aktionen in Malaya oder anderen asiatischen Ländern, die um Hilfe bitten, zur Verfügung stehen.

Nach Angabe gut unterrichteter Kreise hat Großbritannien bereits mehrere Commonwealth-Länder um das Recht ersucht, auf ihrem Gebiet Flugplätze anzulegen und Truppen auf dem Luftwege über diese Länder zu befördern.

Die Ministerpräsidenten beschäftigten sich auch mit den Maßnahmen, die zu treffen sind, wenn in einem künftigen Krieg die zentralen Stellen Großbritanniens durch Atombombenangriffe ausfallen sollten. Außerdem wurde die Haltung besprochen, die Großbritannien und Kanada auf der kommenden Tagung des Unterausschusses der UNO-Abrüstungskommission in London einnehmen sollen.

Eine wichtige Rolle spielte auch ein Plan für die wirtschaftliche Nutzung der Atomenergie in den Commonwealth-Ländern. Nach Mitteilungen aus gut unterrichteten Kreisen sieht der Plan vor, daß in Großbritannien ausgebildete Atomwissenschaftler die Länder beim Bau von Atomkraftwerken unterstützen sollen.

Bei der Erörterung wirtschaftlicher Fragen des Commonwealth erklärte der britische Schatzkanzler Butler, trotz „ungeheurer Fortschritte“ sei die Zeit noch nicht gekommen, das Pfund Sterling frei konvertierbar zu machen. Das Hauptproblem der Commonwealth-Länder sei, sich in einem härter werdenden Konkurrenzkampf ihren Anteil am Markt zu erhalten. Das Ansteigen der Einfuhren aus den Dollarländern in der letzten Zeit sei bereits ein Anlaß zu höherer Wachsamkeit.

Der pakistanische Ministerpräsident unterrichtete die übrigen Commonwealth-Staaten davon, daß sein Land nach dem Inkrafttreten der neuen Verfassung zu einer souveränen, unabhängigen Republik erklärt werden wird. Pakistan werde jedoch Mitglied des Commonwealth bleiben und Königin Elisabeth als „das Symbol der freien Vereinigung der unabhängigen Mitgliedstaaten des Commonwealth“ anerkennen.