Raimund, ein Mann in den Dreißigern, war früher gern auf Feste gegangen; jetzt fürchtete er sich davor. Daß ein Festgast kleine Risse in der Haut oder in der Jacke heimbringt, ist nichts Besonderes – es rechnet als Zubuße. Ihm aber, Raimund, war Ärgeres widerfahren. Zwei Jahre zuvor hatten Unbekannte ihn grausam verprügelt, nicht anders, als wollten sie morden, und im letzten Jahr war er mit einer klaffenden Kopfwunde nach Hause getragen worden. Darum meinte er nun, jedes weitere Fest bringe ihn noch mehr in Gefahr, wenn nicht gar in den Tod. Trotzdem mochte er sich das große Fest, das dicht bevorstand, nicht versagen; es lockte und schreckte ihn zugleich.

Da es ein Maskenfest war, kam er auf den Einfall, ein Kostüm zu wählen, das ihn unverwundbar mache, und er beriet sich mit seinem Schwager Melchior. „Geh als Faß!“ sprach dieser. „Laß ein Weinfaß oder ein Bierfaß innen gut auspolstern. Laß einen schmalen Sehschlitz aussägen und zwei runde Löcher für die Arme. Dann bist du gegen Hieb und Stich gefeit.“

„Und die Beine?“ fragte Raimund. „Sie sind ungeschützt.“

„Die Beine müssen beweglich bleiben, damit du davonlaufen kannst, sobald Gefahr droht. Aber auch sie kannst du schützen: mit einer Kettenhose oder mit Beinschienen aus Stahl.“

Raimund überdachte den Vorschlag und fand ihn gut, er dankte seinem Schwager. Melchior blickte ihn sonderbar an. „Ich will dir“, sprach er, „noch einen Rat geben. Hüte dich vor dem, der als Hufschmied einherkommt!“

„Was weißt du darüber?“ rief Raimund ängstlich. „Wer ist der Mann? Was hat er gegen mich?“

„Ich weiß nichts Genaues“, erwiderte Melchior und stand auf. „Es ist bloß eine Ahnung, ein Vorgefühl. Aber nun bist du ja gewarnt.“ Und damit schritt er zur Tür hinaus.