In Weimar lehrte an der Akademie im Jahre 1904 Ludwig von Hofmann, der zu den Begründern der Berliner Sezession gehörte. Henry van de Velde hatte eine Kunstgewerbeschule gegründet, nachdem der Graf Harry Kessler seinen Regimentskameraden, den Großherzog Ernst von Sachsen-Weimar, zu diesem Schritt bewogen hatte. Kessler selbst war zum Museumsdirektor in Weimar berufen worden. Seinem Museum angegliedert war die „Permanente Ausstellung“, ein Oberlichtsaal, in dem Signac, Maurice Denis, Odilon Redon, Hofer, Ludwig von Hofmann, Edmond Cross, Renoir, Monet, Cézanne gezeigt wurden.

Ich war nach einem halben Jahr Paris und einem Winter bei Lovis Corinth nach Weimar gekommen und Schüler von Ludwig von Hofmann geworden, der ein Freund meines Vaters war.

Er teilte mir eines Tages mit, ich bekäme einen Kollegen, der mich interessieren würde. Es war Hans Arp, der aus Straßburg kam und bei Ludwig von Hofmann arbeiten wollte. Obwohl er erst 17 Jahre alt war – ich hatte bereits das 18. Lebensjahr erreicht –, umgab ihn schon der Nimbus seiner Berühmtheit, und ich vernahm mit Bewunderung und Staunen, er habe bereits zwei Gedichte veröffentlicht, die außergewöhnliche Titel trugen: „Die Sternenkrawatte“ und „Die Wolkenpumpe“. In diesen beiden Titeln ist das ganze Wesen meines Freundes enthalten, der, alles andere als konventionell, das Außerordentliche suchte und zu bilden versuchte.

Ein schlanker, überschlanker Jüngling, der, sehr mager, seinen sehr hervortretenden Adamsapfel „die Zierde seiner Mannlichkeit“ nannte. Wir zeichneten gemeinsam Akt in der baufälligen Akademie, die schon von den damaligen Heroen der Malerei besucht worden war, und wetterten gegen Spießertum und penetrante Biederkeit. Zum Zeichen unserer Extravaganz schrieben wir an entlegene Schuhfabriken in den USA, die Schuhe mit Nashörnern fabrizierten, um den großen Zehen Spielraum zu geben. Wir trugen diese fremdartigen Gebilde, um damit Mißfallen zu erregen. Wir gingen gemeinsam über Land und versuchten, unsere Anregungen aus der „Permanenten Aus-Stellung“ im Freien vor der Natur zu realisieren.

Ich malte ein großes Porträt von Arp, und seine sehr langen, sehr schmalen Hände kamen dabei zum Ausdruck. Das Gesicht war ernst, nachdenklich klug, ganz versteckt die Ironie über menschliches Gebaren.

Wir zogen zusammen in ein Haus, das für uns im Garten Ludwig vonHofmanns gebaut worden war und malten gemeinsam, indem wir uns gegenseitig belobten und kritisierten. Eine schöne, unbeschwerte Zeit!

Er brachte mir die modernste französische und deutsche Literatur nahe.