m., j., Westerland/Sylt

Dem nachhaltigen Schrecken, der die Bevölkerung der Insel Sylt über die von dem dänischen Tanker Gerd Maersk (12 184 BRT) verursachte „ölsuppe“ auf ihrem herrlichen Strand zunächst befiel, ist gemäßigte Zuversicht gefolgt. Die Verschmutzung des Strandes wird nicht mehr als eine Katastrophe betrachtet, die den Badebetrieb und damit die Existenzgrundlage eines Teiles der Ortsansässigen in der kommenden Saison gefährden könnte.

Ihren Grund hat die optimistische Beurteilung der Lage in der Erkenntnis, daß die Verunreinigung des Strandes durch Öl leicht und spurlos zu beseitigen ist, indem man den ölverschmutzten Sand einfach zusammenkarrt und weit genug vom Meer entfernt in die Erde vergräbt. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein hat 300 000 DM als Unkostenbeitrag zur Verfügung gestellt. An Arbeitskräften für dieses Unternehmen fehlt es nicht, weil die Bautätigkeit infolge der Kälte ruht. Wenn gar das Vorhaben gelingen sollte, die rund 1000 Tonnen angeschwemmten Ölrückstände durch den Zusatz von Bitum in einen unbrennbaren Kunstasphalt umzuwandeln, den man zum Straßenbau verwenden könnte, hätte man sogar einen Nutzen aus der Katastrophe.

Selbstverständlich ist aufs neue die Frage aufgeworfen worden, was getan werden könnte, um solche Verheerungen ein für allemal zu verhindern. Die Londoner „Konvention gegen die Ölpest“, an deren Zustandekommen auch eine Bonner Delegation beteiligt war, ist bis heute noch nicht geltendes Recht. Nicht weniger als 42 seefahrende Nationen, unter ihnen auch die Sowjetunion, haben sich in London im Mai 1954 auf die Annahme von Bestimmungen „zur Verhinderung der Verschmutzung der Meere durch Ölrückstände“ geeinigt.

Nach den neuesten Schätzungen deutscher und britischer Sachverständiger werden seit Jahren, seit die Kohlenfeuerung der Schiffe immer mehr durch ölfeuerung abgelöst wird, täglich 7000 Kubikmeter Ölrückstände ins Meer geworfen. Allein beim Spülen eines einzigen mittleren Tankers werden im Durchschnitt 3000 und mehr Tonnen „Ölsuppe“ ins Wasser gepumpt, die 100 bis 200 Tonnen Öl enthalten.

Tausende von Seevögeln erleiden dadurch alljährlich einen qualvollen Tod. Wenn die Tiere sich von den ölrückständen, die auf dem Federkleid der nach Fischen oder Muscheln am Grunde der Meere tauchenden Vogelarten haften, zu befreien suchen, schmieren sie sich nur noch mehr damit ein. Die meisten sterben draußen auf See. Wenige erreichen den Strand, der ihnen aber auch keine Rettung bringt, weil dort keine Nahrung vorhanden ist. Wo sehr viel Öl die Wasseroberfläche bedeckt, wie jetzt nach dem Unfall des Tankers Maersk vor den Nordfriesischen Inseln, werden die Vögel durch die glitzernde Oberfläche leider immer wieder magisch angezogen.

Der Bremer Tierarzt Dr. E. Jacob, der auf Sylt vielen hundert Tieren das Leben rettete, hat nach vielen Versuchen mit Benzin, Azeton, Terpentin, Pflanzenölen und dergleichen mehr, Bäder mit dem Putzmittel Rei als das Beste erkannt, um die Tiere zu säubern. Reinigt man sie mit Waschmitteln, die vorwiegend auf Alkohol-Sulfonat aufbauen, so werden die wasserabstoßenden Eigenschaften des Gefieders zerstört. Die Tiere gehen nach einem solchen Bad im Wasser unter und ertrinken.

Bevor die gebadeten Vögel wieder in Freiheit gesetzt werden, muß man auf jeden Fall bei den Tauchenten und anderen Taucherarten prüfen, ob das Gefieder wieder Wasser abstößt. Wenn nicht, muß der Vogel eingesperrt bleiben, bis er sich gründlich eingefettet hat. Die Wildvögel dürfen auf keinen Fall in einen Käfig gesetzt werden, weil sie sich durch das Gitter zu zwängen versuchen und sich dabei erwürgen, wie es vor allem die Lachmöven tun. Nicht erforderlich ist die Prüfung der wasserabstoßenden Eigenschaft bei Möwen, Seeschwalben, Wasserhühnern und anderen Vögeln. Saugt nämlich ihr Gefieder Wasser, dann fliegen sie von selbst weg. Stare, die sich beim Suchen nach Gewürm gleichfalls mit ölrückständen eingeschmutzt hatten, erwiesen sich übrigens nach abgeschlossener Badeprozedur noch längere Zeit als dankbare Stubengenossen, während die Seevögel mehr ans Fressen als an Zuneigung zum Pfleger denken.