m. z., Achberg

850 Preußen flehen darum, in den bayerischen Staat aufgenommen zu werden. Dieser alarmierende Zustand ist zwar schon hundert Jahre alt, aber die Bewohner von Achberg, einer dreizehn Quadratkilometer großen hohenzollernschen Enklave am Bodensee, bitten heute noch ebenso dringend und unerhört um den Anschluß an das acht Kilometer entfernte bayerische Lindau, wie vor hundert Jahren.

Die wunderliche Erbschaft verwaltungstechnischer Kuriosa, die man heute noch im südwestdeutschen Raum antrifft (siehe Länderspiegel Nr. 46), erreicht ihren tragikomischen Gipfel in diesem südlichsten aller preußischen Bereiche. Seine Einwohner, die sich in kirchlichen Fragen an die Erzdiözese Freiburg, in gerichtlichen an das 140 Kilometer entfernte Landgericht Hechingen, bei Sorgen der Handwerker an die Innung in Lindau und bei Versorgungsproblemen nach Ravensburg wenden müssen – im ganzen sind sieben teilweise über hundert Kilometer entfernte Ämter für Achberg zuständig –, haben wenig Sinn für das Kuriose ihrer Lage. Sie wüßten viel lieber, wo sie eigentlich hingehören.

Seit dem zwölften Jahrhundert wechselte Achberg immer wieder seine Standesherren. Im 17. Jahrhundert wurde es vom Deutschen Ritterorden gekauft. Als Napoleon den Orden in Westdeutschland auflöste, schickte Kurfürst Maximilian von Bayern schnurstracks ein Eroberungsheer von einem Leutnant und drei Mann, um Achberg für Bayern zu annektieren. Als aber das Gebiet in der rheinischen Bundesakte dem Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen zugesprochen wurde, mußten die bayerischen Eroberer abziehen. 1850 wurde Hohenzollern preußisch...