F. R. S., Bern, im Februar

Die Entwicklung auf dem schweizerischen Kapitalmarkt wird nach wie vor stark durch die unerwartet großen Kapitalakkumulationen bestimmt, die aus dem Versicherungsgeschäft stammen. Die staatliche Alters- und Hinterlassenenversicherung hat hierzu wesentlich beigetragen. Ein Arbeiter verwendet heute durchschnittlich über 11 v. H. seines Einkommens zur Bezahlung von Versicherungsprämien (1912 waren es 2,8 v. H.) Da die Zinssätze – unter dem Druck des zunehmenden Kapitalangebots – weiter gesunken sind, hat eine Jagd nach Boden und Bodenwerten eingesetzt, die zu geradezu grotesken Zuständen im Liegenschaften- und Grundstückshandel geführt hat. So wird beispielsweise in den Städten neuerdings der Boden nicht mehr verkauft, sondern nur noch das auf eine bestimmte Zeitspanne befristete Recht, die Parzelle zu überbauen. Die dafür zu entrichtende Rente übersteigt bei günstig gelegenen Objekten die anderswo auf dem Kapitalmarkt erzielbare Rendite bei weitem. In der Bundesstadt Bern wurde kürzlich ein „Baurechtsvertrag“ zwischen zwei Handelsgesellschaften abgeschlossen, bei dem die jährliche Nutzungsgebühr auf den Quadratmeter kapitalisiert – bis zu 34 000 sfrs. ergibt. Solche Quadratmeterpreise werden nicht einmal in New York bezahlt. Man sieht als praktische Folge dieser Entwicklung voraus, daß Stadtboden über kurz oder lang in der Schweiz wohl unverkäuflich sein wird.