J. B., Wien, im Februar

Österreich hat so gut wie keine Steinkohle. Sein Erdöl, jetzt drei Mill. t im Jahr, fördert die sowjetische Besatzung. Und das Holz, obwohl es viel ist, reicht nicht aus. Zur Zeit ist sozusagen jede Fichte innenpolitisch und handelspolitisch umkämpft ...

Die Lage ist so: die Holzpreise sind seit langem im Steigen. Man hat viel exportieren können, die vergrößerten Papierfabriken brauchen mehr als früher, die anderen Holzverarbeiter auch, und verbrannt wird leider auch nicht wenig. Natürlich verkauft ein Sägewerker lieber teuer als billig; das war 1954 nicht schwer, am Ende des Jahres bekam er z. B. in der Bundesrepublik für 24 mm Betonschalung (III./IV. Klasse) 150 bis 155 DM, gegenüber 110 bis 115 zu Jahresbeginn. Zur Exportkonjunktur kam dann die eigene Baukonjunktur – wer ist da erstaunt, daß Holz selbst auch Konjunktur haben muß? Nun lag der Schluß nahe, durch eine Beschränkung der Ausfuhr die Versorgung des Inlandes zu bessern und die Preise zu drücken. Bei solchen guten Ratschlägen waren Papierfabrikanten und Sozialisten (diese aus arbeitspolitischen Gründen) sogar einig.

Man will also die Ausfuhr gegenüber 1954 um ein Drittel senken. Dieses Drittel würde aber einen jährlichen Devisenausfall von einer Milliarde Schilling bedeuten. Kann man sich das leisten? Die Handelsbilanz hat den Fettansatz von zwei Jahren in den letzten drei Monaten mehr als eingebüßt. Ob die Holzverarbeiter durch ihre Mehrausfuhr auch nur einen Teil eines solchen freiwilligen Verzichtes einbringen werden, bleibt zunächst unbewiesen. Zudem ist ein Großteil der Holzexporte durch Verträge festgelegt. Holz ist bei neuen Verhandlungen einer der wenigen Trümpfe, die Österreich bei eigenen dringenden Einfuhren (Steinkohle) ausspielen kann. Das scheinbar einfache Rezept erweist sich also handelspolitisch als recht problematisch.

Es ist aber auch eine etwas theoretische Vorstellung, daß der in der Ausfuhr verbotene Festmeter Holz nun an die dringendste inländische Verbrauchsstelle wandern müßte. Holz ist schwer und verträgt keine hohen Bahnfrachten. Der Wiener Baumeister kann nicht in Süd-Kärnten oder Westtirol kaufen; es wird also Exporteuren an der italienischen wie an der deutschen Genze einfach Holz liegenbleiben, wenn man deren Ausfuhr begrenzt. Natürlich muß in dem Gebiet der Preis sinken, aber der ideale Inlandausgleich ist damit noch lange nicht geschaffen. Kein Wunder also, daß man auch nach anderen Methoden ruft und mit einem einfachen Mengendiktat nicht zufrieden ist; marktkonform wäre am besten noch eine Exportabgabe, solange der Weltmarkt gern gute Preise zahlt.

Die Situation ist also an und für sich nicht leicht; sie wurde dazu durch Deklamationen, politische Interventionen und selbstverständlich sehr viel Interessentenspiel verschärft. Dabei sind die Zahlengrundlagen naturgemäß nirgends so schwer überprüfbar, wie gerade hier. Zunächst fehlt die Basis: nämlich die neue Waldbestandsaufnahme, die sagen soll, wieviel man vernünftigerweise einschlagen darf. Was die Forstleute an Kostenberechnungen vorlegen, hat die fatal regelmäßige Eigenschaft, daß zu jeder Zeit die nachgewiesenen Kosten wenigstens um 5 v. H., wenn nicht sogar um 10 v. H. über den gerade erreichbaren Höchstpreisen liegen; wie will man das in der „Werkstätte Wald“, wo ein Produktionsgang Jahrzehnte dauert, nachprüfen? Die Sägewerker sind selbstverständlich orthodoxe Marktwirtschaftler, solange die Preise steigen; aber sie kommen mit sozialpolitischen Argumenten („Seht doch die bedrohten Arbeitsplätze“), wenn die Notierungen abbröckeln. Und es scheint, daß der Kulminationspunkt tatsächlich überwunden ist. Zwar wird das Frühjahr neue Nachfrage, aber auch das stärkste Angebot bringen. Man ist zudem wegen der Exportdrosselung unsicher geworden. Und – last not least! – vielen Sägewerkern geht das Geld aus. Man hat zu einer ohnehin übersetzten Kapazität noch reichlich dazu gegründet, hat Kredit genommen und bekommen und getan, als könnte es weder Stockungen noch Preisdruck geben.

Die österreichischen Zeitungen sind jedenfalls überladen mit Holzberichten. Man darf nicht vergessen, daß sie mittelbar auch „in eigener Sache“ schreiben. Die Papierindustrie hat Preiserhöhungen angedroht, falls auf dem Holzmarkt nicht Remedur geschaffen werde. Man tut also sein möglichstes und malt mehr Teufel an die Wand, als zu verantworten sind ...