Soll die sich immer mehr standardisierende Welt nun auch ihren Kalender standardisieren? Ein Vorschlag der Vereinten Nationen, der sämtlichen Regierungen der Welt zur Stellungnahme unterbreitet wurde, und 211 welchem sich die Bundesregierung bis zum Mai? äußern soll, zielt darauf. Dieser monotonisierte Universalkalender, der alle Variationsmöglichkeiten ausschaltet, würde unserem Zeitgefühl endlich jenen festen Halt geben, den es nach dem Geschmack des – Hyper-Rationalisten offenbar braucht. Dann hätten wir endlich Ordnung in unserer Zeitrechnung, wie sich das für einen pedantischen Geschäftsmann gehört. Lauter gleich lange Vierteljahre: jedes zu 91 Tagen, jeder erste Monat im Vierteljahr wäre 31 Tage lang, die beiden folgenden je 30 Tage, jeder Wochentag wäre unveränderlich mit einem bestimmten Monatstag gekoppelt. Man wüßte von vornherein, auf welchen Wochentag beispielsweise der 15. Januar oder der 23. April fällt. Man brauchte gar nicht im Kalender nachzuschauen. Der Urenkel wüßte es „auf Anhieb“, genau so wie es schon sein Urgroßvater gewußt haben würde, wenn es damals den normalisierten Einheitskalender gegeben hätte. Welche Vorteile für den Statistiker! Oder für die Berechnung von Zinsen, Löhnen, Versicherungen!

Nun kann man, aber weder 365 noch 366 durch 7 teilen. Was tun, um die mit den Kalendertagen gekoppelten Siebener-Wochenreihen zu erhalten? Man streicht einfach einen Tag aus dem Kalender und schiebt ihn am Schluß des Jahres als datumslosen „Jahresschlußtag“ ein. Man kann ihn je nach Geschmack als Silvester feiern oder aber als „Jahresschluß-Weltfeiertag“, gewissermaßen als eine Brücke der Koexistenz. Ähnlich macht man es mit dem zusätzlichen Tag im Schaltjahr. Er wird am Ende des Monats Juni angehängt, aber natürlich auch nicht in den Wochenzyklus einbezogen. Ob das Leben eigentlich an diesen datumslosen Tagen stillsteht? Und wenn nicht, wenn also auch an ihnen Güter verbraucht werden, der Verkehr weitergeht, kurzum: Kosten entstehen, wird dann nicht das letzte Vierteljahr rechnerisch doch länger als 91 Tage? Aber den rationalistischen Prinzipienreitern kommt es nicht darauf an, um einer Fiktion willen sich selbst ein Schnippchen zu schlagen. Deshalb stört es sie auch nicht, daß durch solche nicht in den Wochenzyklus einbezogene Ausnahmetage dieser in Wirklichkeit gar nicht mehr mit dem Siebentage-Rhythmus, der so vielen Menschen heilig ist, übereinstimmt, und der Sabbat beispielsweise auf einen Tag treffen kann, der gar nicht mehr der siebente in der Woche ist, an dem Gott ruhte.

Es ist verständlich, daß die sowjetischen Rationalisierer diesen rationalisierten Universalkalender begrüßen. Man kam, auch verstehen, daß die Hauptmanagerin der Idee, Elisabeth Achelis, Präsidentin der World Calendar Association („Weltkalender-Vereinigung“) und seit 1930 diesem Reformrummel hingegeben, in dieser Kalenderreform so etwas wie eine Lebensaufgabe erblickt. Viele andere aber sind mit dem alten julianisch-gregorianischen Kalender ganz zufrieden und haben nicht das Bedürfnis, ihn zu verändern. R. S.