Präsident Jean Monnet hat seinen Wunsch, die Pferde zu wechseln, noch nicht realisieren können. Die französische Regierungskrise, die mit der Suche nach einem Nachfolger auf dem Präsidentenposten der Hohen Behörde zusammenfiel, hat zu einer kurzfristigen Verlängerung der am 9. Februar abgelaufenen Präsidentschaftsperiode von Jean Monnet geführt. So sehr sich auch die Industrien der Montan-Unions-Länder über die Verlängerung von Monnets Präsidentschaft freuen – sie ist eben doch nur ein Provisorium. In einem Gespräch in Luxemburg beantwortete uns Jean Monnet am 10. Februar die Frage, ob er der Bitte einer integrationsfreundlichen französischen Regierung um erneute Kandidatur Folge leisten würde, mit folgenden Worten: „Ich glaube es nicht. In Frankreich müssen erst wieder stabile Regierungsverhältnisse eintreten. Frankreich täte gut daran, eine Regierung zu wählen, der die Integrationspolitik Herzenssache ist. Ich glaube, da diese Voraussetzungen nicht sicher sind, daß ich auf einer anderen Ebene für unsere gemeinsame Aufgabe, nämlich in Frankreich erneut die Grundlagen der Vereinigten Staaten Europas zu schaffen, arbeiten muß.“

Hinter diesen Worten steht ein klarer politischer Entschluß und wohl auch die feste Absicht, dieses Ziel zu erreichen. Monnet ist jetzt 66 Jahre alt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß er vielleicht in zwei Jahren zurückkommen kann. Sein Rücktritt erfolgte im Herbst vergangenen Jahres unmittelbar nach dem Scheitern der EVG-Politik, die er als eine der sinnvollen Fortsetzungen der Europapolitik Robert Schumans ansah.

Aber Monnet betonte, daß die EVG-Politik nicht die ultima ratio der Europäer darstelle. Man werde neue supranationale Klammern schaffen. Es wäre aber nötig, daß der Wunsch, supranationale Souveränitäten auszubauen, von den Regierungen an die hohe Behörde herangetragen werde und nicht umgekehrt. Die Integration auszubauen und den Weg zu den Vereinigten Staaten Europas weiter zu bestreiten, müsse auch aus der Initiative der europäischen Regierungen heraus erfolgen. Der gemeinsame Markt für Kohle und Eisen sei bereits eine Realität. Sie habe Erfolge aufzuweisen und sie werde weiterwirken.

Franz Etzel, der deutsche Vizepräsident, fand in dem Luxemburger Gespräch überaus herzliche Worte für Monnet, „der von uns geht, nicht weil er an der europäischen Idee zweifelt, sondern weil er glaubt, jetzt außerhalb der Montan-Union in seiner engeren Heimat noch besser und wirkungsvoller für Europa arbeiten zu müssen und zu können. Wir sind in den vergangenen Jahren in der Arbeit am gemeinsamen Ziel einander richtige gute Freunde geworden. Dies möge ein Symbol für die Zukunft unserer Völker sein.“ W.-O. Rlt.