j. b., Schwerin

Wie man aus Westberlin hört, hat dort ein Professor Münchheimer in der „Hochschule für Politik“ erklärt, es könne bei den von der Sowjetzonenregierung geschaffenen zwölf „Bezirken“ nach einer Wiedervereinigung natürlich nicht bleiben. Prof. Münchheimer will bei einer künftigen Neuordnung Gesamtdeutschlands aus dem jetzigen Gebiet, der „Zone“, drei große Länder schaffen, nämlich: Obersachsen-Thüringen im Süden, Großberlin („bis an den Autobahnring“) in der Mitte; und schließlich Brandenburg-Pommern im Norden. Vergebens fragen wir uns nun hier in Mecklenburg, ob der Herr Professor, der so schnell bei der Hand ist, das Fell des Bären zu zerteilen, denn gar nicht an uns gedacht hat? – Bisher galt es als eine Selbstverständlichkeit, daß bei der erhofften Wiedervereinigung die von der Pankower Regierung mit einem Federstrich ausgelöschten Länder wieder erstehen würden – so, wie es die Landsleute in Brandenburg, Sachsen, Thüringen und – vor allem! – bei uns in Mecklenburg wünschen. Das werden wir notfalls auch über eine Volksabstimmung durchsetzen: Das alte Wappen mit dem Ochsenkopf lassen wir uns dann jedenfalls nicht mehr länger vorenthalten! Es zeugt von einem geringen Respekt gegenüber demokratischen Einrichtungen, von einer völligen demokratischen keit gegenüber der Volksmeinung, und von einer sehr geringen politischen Klugheit, wenn Professor Münchheimer, ein Mitglied des unglückseligen „Königsteiner Kreises“, einen am Reißbrett ausgeklügelten Vorschlag für die „Neugliederung der Zone“ propagiert, der noch unvernünftiger und unpopulärer ist, als die verhaßte SED-Lösung, die mit der Schaffung der 14 Bezirke ja nur auf eine Vernichtung der in den alten Ländernarren verkörperten Traditionswerte abgestellt war. Für die Herren von der SED in den „Bezirkshauptstädten“ und für ihre Propaganda gegen die „Westpolitiker“ ist jedenfalls der Münchheimer-Vorschlag ein gefundenes Fressen...