Der diesjährige Winterschluß-Verkauf hat keine Überraschungen und schon gar nicht Sensationen gebracht – ganz, wie die Fachkreise des Handels es erwartet hatten. Er lag termingemäß besonders günstig, da der Beginn mit dem Januar-Ultimo zusammenfiel, womit auch der sehr starke Andrang, vor allem in den großen Häusern am Starttage und das verhältnismäßig schnelle Nachlassen der ersten großen Käuferwelle zu erklären ist. Im übrigen verteilte sich der Geschäftsbetrieb mit einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit über beide Wochen, so daß nachdenkliche und kalkulationstüchtige Betriebsinhaber und Geschäftsführer meinten: das hätte auch gut in der halben Zeit geschafft werden können. Damit soll allerdings nicht einer Verkürzung der Ablaufszeit der Saisonschluß-Verkäufe das Wort gesprochen werden, weil das auch gar nicht im Sinne der Verbraucher läge. Es käme schließlich sogar auf eine Benachteiligung der Spezialgeschäfte der mittleren und kleineren Städte hinaus, bei denen der Umsatz in der zweiten Schlußverkaufswoche zumeist nicht erheblich unter dem der ersten Woche liegt.

Eine wesentliche Feststellung verdient notiert zu werden: Der Einzelhandel hat sich, und das sogar fast einheitlich im ganzen Bundesgebiet, wieder auf den echten Saisonschluß-Verkauf eingestellt, d. h. er verzichtet darauf, durch billige (aber auch entsprechend minderwertige) „Lockvögel“ die Massen der Käufer zum Sturm auf die Geschäfte zu verleiten. Die Qualitätsware – wenn auch im Textilhandel ohne scharfe Unterscheidung von Winter- und Frühjahrsartikeln – beherrschte eindeutig den gesamten Schlußverkauf, der damit auf dem sicheren Wege ist, seine traditionelle wirtschaftliche Bedeutung wiederzuerlangen und das in den ersten Nachkriegsjahren verlorene Renommee zurückzugewinnen. Die Zeiten, in denen es noch eine große Zahl von Verbrauchern gab, die von einem Schlußverkauf auf den anderen warteten, um sich mit billigen Schleuderwaren, aber keineswegs preisgünstig für das nächste halbe Jahr einzudecken, scheinen endgültig überwunden zu sein. Es gibt keine „kleinsten Preise“ mehr, und die berüchtigten Ausverkaufshyänen sind ausgestorben.

Insofern zeigte der diesjährige Winterschluß-Verkauf gegenüber seinen Vorgängern ein neues Gesicht. Das Angebot war allgemein, z. T. bedingt durch den milden Winter, sehr groß, so daß bei wertmäßig ungefähr gleichen (quantitätsmäßig im Schnitt sogar etwas erhöhten) Umsätzen im Vergleich zum Vorjahr die Lager nicht geräumt werden konnten. In einzelnen Branchen, vor allem in der Großkonfektion (Mäntel), sind sogar erhebliche Überstände geblieben, wofür man aber schließlich nur das Wetter verantwortlich machen könnte. Resümee: der erste echte Saisonschluß-Verkauf der Nachkriegszeit, ohne jegliches falsches Make-up, ein befriedigender Geschäftsverlauf und – keine enttäuschten Käufer. kl.