Vor einigen Wochen hatten wir auf das Dilemma hingewiesen, vor dem das Münchner Finanzministerium steht, wenn es, in Ausführung eines Landtagsbeschlusses, den s. Z. vom bayerischen Staat erworbenen Anteil am Kapital der Maxhütte (26 v. H. von insgesamt 60 Mill. nominal) an den Vorbesitzer, also die Flick-Gruppe, zurückveräußern will. Entweder, so sagten wir, wird ein hoher Kurs gefordert, entsprechend der inzwischen eingetretenen börsenmäßigen Höherbewertung solcher Anlagen – dann aber kommt das Geschäft nicht zustande, und außerdem hat das Finanzministerium den Vorwurf zu gewärtigen, daß es sich in spekulative Machenschaften eingelassen habe. Oder aber es wird ein verhältnismäßig niedriger Aufschlag auf den seinerzeitigen Kaufpreis gefordert: dann kann der zuständige Beamte im Ministerium sich darauf gefaßt machen, wegen einer „Verschleuderung von Staatsvermögen“ gescholten zu werden. Was tut nun, angesichts eines solchen Dilemmas, eine erfahrene Bürokratie? Sie wartet ab, und es geschieht dann eben nichts; wer die Ausführung des Landtagsbeschlusses über die Reprivatisierung anmahnt, wird auf „schwebende Verhandlungen“ hingewiesen, die man nicht durch ungeduldige Nachfragen stören dürfe ... So also ist der Lauf der Dinge jetzt in München; der gebildete Mensch sagt dazu „Attentismus“, und nur grobe und unfreundliche Leute sprechen da von Verantwortungsscheu ... Wenn schon vom Parlament gebilligte Reprivatisierungen derart verzögert werden – wie wenig Aussicht besteht dann für die „grundsätzlich“ in Aussicht genommene, aber von keiner Stelle nachdrücklich geforderte und ernstlich betriebene Reprivatisierung anderer Objekte! n. f.