Großzügig

Über die von der SPD veranstaltete Unterschriftensammlung zu dem Paulskirchen-Manifest gegen die Pariser Verträge berichten die „Ruhr-Nachrichten“ aus Dortmund, daß dort bei den Einschreibestellen keine Ausweise verlangt werden. So hätten zwei Gewährsleute sich in vier Einzeichnungsstellen in vierzehn Minuten vierzehnmal eintragen können. An drei Stellen hätten sie mit ausdrücklicher Erlaubnis auch für ihre gar nicht vorhandenen Ehefrauen unterschrieben.

Späte Einsicht

Der Beschluß der bayerischen Landesbezirkskonferenz des DGB, ein Volksbegehren gegen die Wiederbewaffnung durchzuführen, hätte, wie der bayerische DGB-Vorsitzende Max Wönner jetzt zugab, nur die Wahl zwischen zwei Arten des Verfassungsbruchs gelassen: ein Volksentscheid auf Landesebene wäre ein Verstoß gegen die Wehrhoheit des Bundes gewesen, und ein Versuch, auf die Bundesebene zu gelangen, indem man die bayerischen Vertreter im Bundesrat zur Ablehnung der Pariser Verträge verpflichte, stünde ebenfalls im Widerspruch zum Grundgesetz.

„Mit Konsternation

In einem Appell des Vorstandes der amerikanischen Gewerkschaftsorganisation American Federation of Labor (AFL) an die Deutschen Gewerkschaften heißt es: „Wenn es irgendeine Begründung für das Argument gäbe, die Stärke des demokratischen Westdeutschland werde eine neue russische Aggression provozieren, dann allerdings müßte man alle amerikanischen und britischen Streitkräfte aus Deutschland zurückziehen.“ Aber die deutsche Gewerkschaftsbewegung dürfte einen solchen Schritt, der Westdeutschland der Annektion durch sowjetische Streitkräfte aussetzen würde, wohl auch mit Konsternation betrachten. Keine freie Gewerkschaftsbewegung, stellt die AFL fest, könne in dem Kampf zwischen Totalitarismus und Demokratie neutral bleiben.

Für das Gästebuch des WDR