m. z., Lüneburg

Der alte Bürgermeister Karl Basse aus Wendisch-Evern, einem Heidedorf sechs Kilometer vor den Toren von Lüneburg, ist von einem Stein bereit worden. Auf Veranlassung des britischen andeskommissars ist er durch einen Sondererlaß es niedersächsischen Innenministeriums von der erschlichen Verantwortung für das alliierte Siegesdenkmal „Victory-Hill“ befreit worden.

Als Karl Basse im Juli 1945 aus englischer Gefangenschaft zurückkehrte, ahnte er noch nichts von der welthistorischen Bedeutung, die sein Heidedorf inzwischen erlangt hatte. Auf dem „Timmeloberg“ bei Wendisch-Evern nämlich hatte am 4. Mai 1945 der deutsche Admiral von Friedeberg dem Feldmarschall Montgomery die Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Westdeutschland, Skaninavien, Holland und Belgien bekundet. Der Timmeloberg wurde zur Gedenkstätte „Vi:toryhill“. Die provisorische Holztafel, die die englihe Militärregierung 1945 errichtet hatte, wurde 1947 durch einen Stein aus britischem Granit ersetzt. Unter zwei gekreuzten Schwertern, dem Wappen Montgomerys, verkündet eine Bronzeplatte auf englisch von der bedingungslosen Kapitulation.

Karl Basse, dem sein Dorf einstimmig die Bürde und Würde des Bürgermeisters zuerkannte, die er seit 1928 bis zu seiner Einberufung innegehabt hatte, wußte nicht recht, wie ihm geschah, als ihm vor nunmehr fast zehn Jahren der Befehl zugestellt wurde: „Ab 9. September 1945 werden Sie persönlich haftbar gemacht für die Sicherheit und Überwachung dieser Gedenktafel.“

Inzwischen ist die Gedenkstätte zu einem Wallfahrtsort für die Besatzungstruppei und ihre Angehörigen geworden. Die vier deutschen Zivilisten, die, in einer nahen Baracke postiert, unermüdlich Wache über das „Memorial“ und bisher auch über die Seelenruhe Karl Basses hielten, leben einen friedlichen Tag. Denn keiner ist bisher auf die Idee gekommen, den mächtigen Stein zu beschädigen oder davonzutragen, den Feldmarschall Montgomery 1950 besichtigte und mit dem zufriedenen Kommentar: „Good, solid british granite“ bedachte. Nur die Kieselsteine rings um das Denkmal müssen zuweilen nachgeschüttet werden, da sie gern als Souvenir mitgenommen werden.