Die kommunistische Infiltration an der Ruhr hat größere Ausmaße angenommen als allgemein geglaubt wird. Unter der schützenden Decke der Betriebsgruppen-Organisationen der Gewerkschaften und der SPD ist sie unaufhaltsam im Vordringen begriffen. Von hier geht die Radikalisierung der Stimmung aus, die (früher wie jetzt) von gewissen Kreisen in der DGB-Führung aufgegriffen wird, um sich selbst als interessant und aktiv herauszustellen. Aber das Spielen mit der roten Flamme, für das sich z. B. seit jeher der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Georg Reuter, begeistert, hat auch seine sehr gefährlichen innergewerkschaftlichen Folgen. So ist jetzt an Rhein und Ruhr die „Betriebsaktion Rhein-Ruhr“ gegründet worden.

Diese Aktion will dem Radikalismus in den Betrieben ein Halt gebieten. Die katholischen und evangelischen Arbeitnehmerorganisationen haben sich zu diesem Zweck zusammengefunden und wollen bei den Betriebsrätewahlen im März und April ihr Möglichstes tun, um eine Unterwanderung der Betriebsräte durch mit SPD-Parteibuch oder Gewerkschaftsausweis getarnte Kommunisten zu verhindern. Starke Gruppen stehen abwehrbereit. Es sind die Evangelische und Katholische Arbeiterbewegung, die CAJ, also die Christliche Arbeiterjugend, und die EAJ, die Evangelische Arbeiterjugend, ferner die Gesellenvereine und die Sozialausschüsse der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft.

In diesem Zusammenhang verdient ein Bericht Beachtung, den dieser Tage der nws-Dienst brachte. Darin heißt es, daß in der Eisen- und Stahlindustrie sowie im Bergbau, aber auch in anderen Zweigen der Wirtschaft Betriebsgruppen und Werkzeitungen der KPD in zunehmendem Maße an der Arbeit seien. Auf 131 Schachtanlagen des Kohlenbergbaues seien bereits 17,3 v. H. der Betriebsräte Kommunisten. Von den übrigen gehören 41,9 v. H. zur SPD, 23,6 v. H. zu nichtsozialistischen Parteien, während 17,2 v. H. keine parteipolitische Bindung hätten. Allein im Bergbau seien 410 Betriebsgruppen der KPD tätig. 60 Schachtanlagen würden von ihnen als Schwerpunkt betrachtet. 80 politische Betriebsschulen würden von hier zentral gesteuert.

Das sind bedenkliche Zahlen. Der Betriebsaktion Rhein-Ruhr unter Führung der Bundestagsabgeordneten Winkelheide-Münster und Dr. Voß-Hamm sollte daher größeres Gewicht beigemessen und auch Unterstützung von den verschiedensten Seiten gegeben werden. Die zitierten Zahlen deuten eine systematische Unterwanderung der Betriebe und den Aufbau eines roten Rätesystems von unten her an. Zwar haben sich bisher die Vorstände der IG Bergbau und der IG Metall von kommunistischen Einflüssen freihalten können, aber es ist in den letzten Monaten in erhöhtem Maße festzustellen, daß die gewerkschaftlichen Parlamente, also die Delegiertenversammlungen, Marschrouten für ihre Vorstände beschließen, die immer näher an das Rätesystem herankommen.

Da es leider keine parteipolitische Neutralität der Gewerkschaften gibt, da sie vielmehr eine bewußt gesteuerte einseitige Organisation sind, die alle nicht SPD-Organisierten als Außenseiter behandelt und sie auch draußen stehenläßt, zweifeln wir an der inneren Kraft der Gewerkschaften, Deutschland vor einer neuen sozialistischen Machtergreifung zu bewahren.

Alle Vorsitzenden der im DGB zusammengeschlossenen Industriegewerkschaften sind eingeschriebene Mitglieder der SPD, ausgenommen der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall. Die erweiterten Vorstände der IGs werden ebenfalls fast ausnahmslos von der SPD beherrscht. Diese Praxis in der Besetzung der Schlüsselposten dürfte jedoch nicht dem Willen eines großen Teiles der organisierten Arbeiter und Angestellten entsprechen. Die Betriebsaktion Rhein-Ruhr wird daher eines Tages auch in diese Bereiche vorstoßen müssen. Im Interesse der Gewerkschaftsbewegung wäre zu hoffen, daß der DGB nun endlich einsichtig genug ist und das Parteibuchmonopol in den eigenen Reihen entflechtet..., um dadurch die von keinem als nützlich angesehene Aufspaltung der Gewerkschaften zu verhindern. Rlt