Der Bund deutscher Radfahrer hat sich, veranlaßt gesehen, ab sofort keinem seiner Mitglieder mehr eine Starterlaubnis für die sowjetische Besatzungszone und Ostberlin zu geben. Er will zunächst klären, ob tatsächlich von der Sektion Radsport der DDR der Versuch unternommen worden ist, westdeutsche Radsportamateure unter besonders verlockenden finanziellen und sonstigen materiellen Versprechungen zu einem Übertritt in den ostzonalen Sportbetrieb zu veranlassen.

Der Hannoveraner Wolf gang Grupe hat nämlich den BDR wissen lassen, daß ihm und zwei weiteren bekannten westdeutschen Sportsleuten ein entsprechendes Angebot gemacht worden sei, und zwar anläßlich eines Erholungsurlaubs, den er gemeinsam mit seinem Betreuer in dem thüringischen Kur- und Wintersportplatz Oberhof verbrachte. Nicht nur ihm persönlich und seinen Angehörigen in Westdeutschland seien regelmäßige monatliche Überweisungen in westdeutschem Gelde zugesichert worden, sondern auch für alle anderen Radsportler, die sich bereit erklärten, in Zukunft für die DDR zu starten. Grupe ist inzwischen hinter dem Eisernen Vorhang verschwunden.

Die von der Ostzone in Aussicht gestellten materiellen Vorteile stehen in krassem Widerspruch zu dem Amateurparagraphen. Doch in dieser Hinsicht ist auch in Westdeutschland manches zu tadeln. Wir hörten ja erst neulich von dem offenmütigen Bekenntnis des Vorsitzenden eines süddeutschen Oberliga-Fußballvereins über Sonderzuwendungen, wie den Unterhalt von Autos, die Anschaffung von Wohnungseinrichtungen und die Möglichkeit zu Geschäftsgründungen für Vertragsspieler.

In der Zeitschrift der Deutschen Olympischen Gesellschaft „Olympisches Feuer“ beschäftigt sich ein Artikel „Deutscher Tennissport im Wellental“ mit der Tennisschule in Duisburg, die aus der Privatinitiative des „Förderkreises Raffelberg“ entstand und nach Angaben ihres Vorsitzenden Gottfried von Gramm bisher über 100 000 DM zur Forderung junger Tennissportler verwandte. Dem „Olympischen Feuer“ ist zu entnehmen, daß diese private Trainingsgemeinschaft, die nichts mit dem Deutschen Tennisbund zu tun hat, von „nicht wenigen Männern, deren Stimme Gewicht hat“, abgelehnt wird, weil diese Männer „trotz einer von Grund auf völlig gewandelten Welt noch immer die sich allein ohne Hilfe von außen durchsetzende Tennispersönlichkeit“ fordern. Der Verfasser fährt fort: „Es entstand jene Trainingsgemeinschaft einiger jüngerer Spieler, die gleichzeitig beruflich wie sportlich gefördert werden. Man bot ihnen in Duisburg, je nach ihrer beruflichen Neigung oder Vorbildung, Arbeitsplätze, die ihnen so viel Freizeit geben, daß im Winter ein tägliches Training von mehreren Stunden ebenso möglich ist, wie ausgedehnte Turnierreisen während der Saison.“

Die Gäste der Tennisschule, unter denen sich mehrere Studenten und kaufmännische Angestellte befinden, erhalten außer dem Sprachunterricht gesellschaftlichen Schliff. Fraglos hat diese Einrichtung sehr viele positive Seiten. Wie aber mag die berufliche Ausbildung aussehen, wenn diesen jungen Tennisschülern im Winter ein Training von mehreren Stunden am Tage und im Sommer ausgedehnte Turnierreisen ermöglicht werden?

Wo bleibt der olympische Gedanke, wenn man sich selbst im „Olympischen Feuer“ nicht mehr für den Amateursport einsetzt. Es stimmt sehr bedenklich, daß die Sportler sich immer hemmungsloser meistbietend verkaufen. W. F. Kleffel